Freitag, April 23, 2010

Tötet das iPad die Druckereien?

Bei der Betrachtung der aktuellen Diskussion im Kommunikationsmarkt über Sinn und Unsinn eines iPads bzw. eines kleinen, mobilen Touch-PC fällt mir auf, dass viel über digitale Inhalte und die Möglichkeiten für eine Zukunft von Verlagen oder Autoren gesprochen wird, jedoch wenig über die Zukunft von Druckereien - insbesondere Großdruckereien.

Sofern der Trend in der Zeitungs- und Zeitschriftenbranche weiterhin in Richtung geringere Auflagen geht und dazu noch ein Trend zu digitalen Inhalten auf einem iPad als Lesemedium hinzu kommt, ist dies schon ein harter Schlag für die Beschäftigten in den betroffenen Druckereien. Aber es wird mit Sicherheit noch ein weiterer Trend zu einem Niedergang beitragen können: die aktuelle Umweltschutz Debatte, bei der es um den Schutz von Ressourcen und die Vermeidung von Umweltbelastungen geht. Diese Themen werden, meiner Meinung nach, durchaus zu Recht auch in Hinblick auf temporär wertige Druckerzeugnisse diskutiert.

Auch wenn ich das jetzt nicht mit Zahlen belegen kann, wird der CO2-Fußabdruck eines digitalen Magazins, das auf ein iPad geladen wird, mit ziemlicher Sicherheit weit unterhalb dem eines Magazins vom Kiosk liegen. Wenn ich mal überlege, was so alles an Umwelt beeinflussenden Faktoren wegfallen würde:
  1. Rohstoffbeschaffung für Papier
  2. Produktion des Papiers (evtl. auch per Recycling)
  3. Transport zur Druckerei
  4. Rohstoffbeschaffung für Druckfarben
  5. Produktion der Druckfarben
  6. Transport zur Druckerei
  7. Produktion der gedruckten Magazine in festgesetzter Auflage
  8. Transport zum Abnehmer (Kiosk)
  9. Rücktransport der nicht verkauften Hefte
  10. Recycling der nicht verkauften Hefte
Diesem hohen Energie- und Rohstoffverbrauch (und hier fehlen vermutlich noch ein paar Detailphasen) stehen im digitalen Gegenstück die Geräte-, Server- und Download Energieaufwände gegenüber – die, bei Nutzung regenerativer Stromerzeugung, einen kleineren CO2-Fußabdruck hinterlassen dürften.

Digitale Inhalte/Medien wären somit aus Kundensicht nicht nur bequemer in der Beschaffung, sondern auch noch um einiges umweltfreundlicher, als ihre analogen Gegenstücke... ob da nicht ein noch schnelleres Umdenken bei den Konsumenten erfolgt, als von der Medienbranche befürchtet.

In einer Zukunft, sagen wir mal 2020, könnten die Drucker und Druckerei einen ähnlichen Kampf führen, wie es vor Jahrzehnten die Bergleute und Kohlegruben geführt haben. Einen Kampf, gegen eine sich verändernde Welt.

Im Laufe der Jahrhunderte haben sich viel Berufe verändert oder haben ihre Bedeutung eingebüßt. Vielleicht kann dies nun auch der Zunft der Drucker blühen, die durch die zunehmende Nutzung von digitalen Medien eine neue Ausrichtung erfährt. Für die Zulieferer gilt hier dasselbe.

Sicherlich wäre es sinnvoll, schon jetzt über eine solche Veränderung nachzudenken und nicht mit geschlossenen Augen in die Bedeutungs- und Arbeitslosigkeit zu rennen. Mittlerweile sollten die schlechten Beispiele eines ignoranten Umgangs mit Veränderungen, wie sie in der Musik- und Medienindustrie zu beobachten waren und sind, zu einem neuen Umgang mit Wandlungsprozessen führen.

Dies ist mal wieder nur ein Gedankenspiel im Rahmen der "Kommunikation 2020" Diskussion, die ich in der projektwerft führe, aber evtl. eines mit wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Bedeutung...

Kommentare:

  1. Anonym7:15 PM

    Tatort “Applestore”
    Heute in irgendeinem Kaufhaus in Deutschland 10.00 Uhr Tatort “Applestore” Eine gebannte Menschenmenge drängt sich um einen Holztisch wo die neueste Insigne von Apple aufgebart ist. Der oder Das „iPad“ ja was ist es den überhaupt was die Menschenmenge so begeistert in Ekstase versetzt und gleichermaßen anhimmelt. Keiner weiß so recht, was man denn nun mit diesem Ding so richtig anfangen soll, aber „Egal“ eines steht fest BOAH is das Cool….!! Ey guck ma’ ‘n iPad” Der Marktschreier anmutende Mitarbeiter von Apple erklärt hinter seinem Stand der Menschenmenge eifrig die Vorzuge des iPad’s. (…)und wenn Sie jetzt diese Schrift lesen möchten, dann machen Sie einfach mit dem Doppelklick auf dem Bildschirm die Schrift größer und wie von Geisterhand Vergrößert sich die Schrift. Und die Menge ist außer sich vor Begeisterung. Ich kann das Gefühl nicht unterdrücken alles schon mal irgendwie gesehen zu haben und es ist wie mit der Superduper Neuen Gemüsereibe: Blade-2010 jeder hat zwar eine seit Jahren in der Schublade, aber die hier, die muss man einfach haben. Sie ist selbstverständlich eine unverzichtbare Ergänzung zum Täglichen Leben. Warum lassen sich die Menschen nur so für dumm verkaufen? Nur weil ein abgebissener Apfel drauf klebt. Jedes billige Netbook bietet mehr Möglichkeiten als das iPad darüber hinaus neigt Apple zu Proprietären Systemen somit ist das iPad mit nichts außer Apple (Kabel/ Software) selbst kompatibel. Es lebe der Konsum, weiter so…..

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  2. Vielleicht lassen sich die Menschen deshalb für "dumm" verkaufen, weil einige gemerkt habe, dass es sich hier um die Geburt eines neuen Mediums handelt und nicht nur um den x-ten neuen Pocket-Computer.

    Nachdem ich die Einführung und revolutionierende Wirkung von CD und Internet vorausgesagt und erlebt habe, behaupte ich, dass hier eine neue Form von digitalem Medium entsteht. Dieses "Ding" benutzt man anders als jeden bisherigen Computer.

    Und nachdem ich die ersten Anwendungen von Spiegel, Wired und Co. gesehen und benutzt habe, werde ich wohl nur noch selten ein Printmagazin kaufen.

    Könnte es sein, dass andere Menschen sich auch so "für dumm verkaufen lassen"? Oder sehen diese Menschen einen Schritt weiter in die Medienzukunft?

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