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Freitag, Januar 31, 2020

Kein Digitales Rhizom


Check der 2020 Medienrealität Nr. 1: Hat sich die digitale Infrastruktur verändert und haben wir eine neue Bezeichnung dafür?


Welche Thesen aus dem Jahr 2010 für das Jahr 2020 sind tatsächlich verifizierbar, welche eher nicht?

Eines ist ziemlich sicher, kaum jemand nutzt den Begriff „Digitales Rhizom“, um damit die Infrastruktur zu bezeichnen, auf deren Grundlage die wichtigsten digitalen Services heutzutage basieren. An dieser Stelle kann ich zumindest den Begriff als falsifiziert annehmen.

Aber, ...

... eine leichte Veränderungen in den Bezeichnungen hat es in den vergangenen Jahren dennoch gegeben. Es gibt zumindest zwei Begriffe, die im Zusammenhang mit der technischen Infrastruktur an Bedeutung zugenommen haben: Die Begriffe der „Cloud“ und das „Internet-der-Dinge“ bzw. „Internet-of-Things“ (IoT). Beide haben die Nutzung des um 2010 noch recht populären Begriffs des „Web 2.0“ (als Begriff für das durch Social Media & Social Networks angereicherte Web) verdrängt. 2020 wird kaum noch vom Web 2.0 gesprochen. Neben den oben genannten neuen Metaphern sind stattdessen die ursprünglichen Bezeichnungen „Internet“ oder „Web“ wieder deutlich geläufiger wahrzunehmen.

Sobald jedoch die Bezeichnungen „Cloud“ oder „Internet-of-Things“ im Gebrauch sind, werden damit häufig Services in Verbindung gebracht, die in der heutigen Ausprägung im Jahr 2010 noch nicht etabliert waren. In den letzten zehn Jahren haben insbesondere die Streaming- und die SaaS-Dienste den Cloud-Lösungen weltweit zum Durchbruch verholfen bzw. vice versa. Ähnliches gilt für das Internet-of-Things und den Siegeszügen diverser smarter Geräte. Egal ob smarte Thermostate, Lautsprecher, Lampen, Waagen, Sicherheitssysteme, Logistiklösungen, Medizintechnik, Bekleidungsstücke oder Uhren, unzählige vernetzbare Geräte bilden im Jahr 2020 das IoT. Es ist sehr wahrscheinlich, dass mit der weltweiten Einführung des 5G Standards für das mobile Internet diese Verbreitung von vernetzten Geräten noch deutlich zunimmt.

Vielleicht hat sich die Begrifflichkeit für die technische Infrastruktur doch in den letzten zehn Jahren ein wenig gewandelt – sie ist durch die gewachsene Komplexität der Möglichkeiten durch weitere Ausprägungen (Cloud, IoT) differenzierter geworden und gleichzeitig zur alltagstauglichen Verallgemeinerung wieder zum Ursprung (Internet) zurückgekehrt. Die Begriffe Internet oder Web können wir mittlerweile als allseits bekannt voraussetzen, von einer rhizomartigen Struktur reden dagegen nur sehr wenige Menschen.

2020 These zum Teil verifiziert, zum Teil falsifiziert: Die digitale Infrastruktur wurde weiterentwickelt, jedoch wird der Begriff "Digitales Rhizom" nicht alltäglich genutzt.


Arbeitsauftrag für die Aktualisierung der Illustration von Lukas 2020:

„Digitales Rhizom“ austauschen gegen „Internet of Things“, „Cloud“ oder einfach wieder „Internet“!

Sonntag, Juli 22, 2018

Zukunftsoptionen der Medienhäuser

Bei einem Virtual-Reality-Workshop vor einigen Wochen wurde ich gefragt, wie ich mir die Zukunft von Verlagen und anderen Medienhäusern vorstelle, in einer Welt mit steigender Vielfalt an Medientechnologien. Meine spontane Antwort war: Vielfältig und multimedial.


Geschichtlicher Rückblick

In der darauf folgenden Erläuterung führte ich weiter aus, dass es mit Blick auf die Mediengeschichte der Druckerzeugnisse und der darauf folgenden Erfindungen wie Telegraf, Fotografie, Schellackplatte, Radio, Film und Fernsehen, die als eigenständige Medien-Technologieentwicklungen angesehen werden können, durchaus für eine gewisse Zeit sinnvoll war, diese Medienformen zu unterscheiden und jeweils passende Erzählformen zu etablieren. Ebenso sinnvoll war die Gründung entsprechender Medienhäuser und die Ausbildung von kompetenten Fachleuten mit Expertenwissen.

Mit zunehmender Digitalisierung von Daten und Medieninhalten seit Mitte der 1980er Jahre und insbesondere seit Etablierung der sogenannten "Social Media" Kanäle auf Grundlage des Internets in den 2000er Jahren hat sich dies aber verändert. Durch die mittlerweile nahezu durchgängige Digitalisierung von Inhalten (von der Erstellung bis zur Distribution), hat man eine gemeinsame technische Plattform als digitalen Medienträger (statt unterschiedlicher Trägerformate). Zudem sind extrem viele Werkzeug in Medienunternehmen Computer basierte, digitale Werkzeuge – und somit grundsätzlich nutzbar für die Erstellung und Bearbeitung unterschiedlichster Medieninhalte.

Mit dem Internet und insbesondere dem World-Wide-Web existiert seit spätestens Mitte der 1990er Jahre eine quasi permanent verbindende Infrastruktur für diverse, gleichzeitige Medienkanäle über die mittlerweile sowohl Text/Bild, Podcasts, E-Books, iP-Radio, Video-Streams, iP-TV, AR, VR und diverse andere digitale inhaltliche Formate gleichzeitig distribuiert werden können.

Grafik: Konvergenztendenzen durch digitale Medien. Leicht modifizierte Version von 2015 (die Originalversion "Konvergenztendenzen durch Multimedia" wurde 1995 erarbeitet): Hypothese eines digitalen Konvergenzträgers, die spätestens mit Einführung moderner Smartphones bestätigt wurde. Urheber: K. Heddergott und C. Steinhard. 


Für auditive, visuelle und einige haptische Reize haben wir schon gute bis nahezu perfekte digitale Übertragungsformen und Interfaces entwickelt. Aber zwei Sinnesreize sind noch nicht oder nur ungenügend digitalisierbar. Für olfaktorische und gustatorische Reize sind noch keine guten Ein-/Ausgabe-Interfaces für den Analog-Digital-Analog-Transfer vorhanden.

Grundsätzlich gilt schon jetzt: Die ehemals getrennten Elemente Text, Bild, Ton, Bewegtbild sind schon jetzt über ein etabliertes Ausgabemedium parallel nutzbar (z.B. Smartphone) und es ist sinnvoll, die jeweils günstigste Erzählform für eine Geschichte bzw. den Versuch einer Informationsvermittlung zu wählen. Mit der Einführung von moderner Virtual-Reality-Technologie wurde zusätzlich noch die visuelle und auditive dreidimensionale Verortung im Raum und ein gewisses haptisches Feedback möglich.

Die Fähigkeiten der oben erwähnten Experten werden auch weiterhin benötigt – nur mittlerweile deutlich vernetzter und weniger alleinstehend. Alle Experten müssen dafür über ihren bisherigen "Tellerrand" hinausschauen und eine Vielzahl paralleler Entwicklungen im Blick behalten, die auf die eigene Arbeit Einfluß haben und diese zum Teil sogar disruptiv verändern können.

Gegenwärtige Entwicklungen

Völlig unabhängig davon, aus welchem geschichtlichen Hintergrund heraus ein Medien- bzw. Verlagshaus entstanden ist, sind theoretisch alle Kanäle bespielbar. Einige große ehemals auf den Medienkanal Fernsehen ausgerichtete Medienhäuser machen das schon sehr gut vor, wie am Beispiel der vielfältigen Angebotskanäle der Tagesschau zu sehen ist. Die jeweiligen Sendungen werden zusätzlich mit Texten, Bilden, Infografiken, Videos, Links etc. weit über den eigentlichen Sendetermin des ehemalig zeitlich begrenzten Programmpunkts hinaus begleitet und über verschiedene Kanäle (TV, Webseite, Smartphone-App, iP-TV-App, Teletext, Youtube, u.a.) zeitlich und örtlich unabhängig zugänglich gemacht.

In manchen Medienhäusern fehlt jedoch, trotz Leidensdruck durch abnehmende Nutzerschaft, noch der Mut zur Veränderung und zur ernsthaften Anpassung an die modernen Wünsche der Rezipienten bzw. Nutzer. Schon längst sind Text, Bild, Ton, Video, interaktive Grafiken, Augmented Reality und sogar Web-Virtual-Reality gleichberechtigt nebeneinander nutzbar.

Mögliche zukünftige Ausrichtungen

Es gibt in den Extremausprägungen also grundsätzlich nur zwei sinnvolle Ansätze für Medienhäuser:
  1. Vollständig ganzheitlich multimediale Ausrichtung mit Publikationen über möglichst viele Distributions-/Medienkanäle hinweg und dem Einsatz diverser Monetarisierungsmodelle mit bestmöglichem Preis/Leistungsverhältnis für den Kunden bzw. Nutzer (eher für größere Unternehmen)
  2. Extreme Spezialisierung mit sehr eingeschränkter Anzahl an Distributions-/Medienkanälen und ebenfalls dem Einsatz diverser Monetarisierungsmodelle mit bestmöglichem Preis/Leistungsverhältnis für den Kunden bzw. Nutzer (eher für kleine Unternehmen)

Sicherlich ist auch eine unendliche Menge an Optionen zwischen diesen Extremen denkbar. Diese erfordern allerdings eine sehr überlegte Definition der eigenen Positionierung und insbesondere Antworten auf die Fragen nach dem "Warum gibt es unser Angebot?" und "Worin liegt unsere Besonderheit?". Damit einhergehend, muss die Leitung eines solchen Hauses gut erklären können, wieso der gewählte Weg für die Kunden bzw. Nutzer UND das Unternehmen der passende Weg ist.

Allen erfahrenen Medienexperten ist klar, dass es nicht zuerst auf das Trägermedium ankommt, so sehr man persönlich auch ein bestimmtes Medium bevorzugen mag oder unbedingt eine moderne Variante wählen will. Die größte Bedeutung fällt dem Inhalt zu, den man zugänglich machen möchte und der Entscheidung wie man diesen, mit Rücksicht auf das jeweilige Nutzungsszenario, der anvisierten Nutzerschaft gut vermitteln kann. Ähnlich wie beim Design sollte üblicherweise die Form (das Medium) der Funktion (dem Inhalt bzw. dem thematischenVermittlungsziel) folgen. Hauptsächlich künstlerisch motivierte Arbeiten seien hier einmal explizit außen vor gelassen.

Vom gesprochenen Wort bis zur virtuellen Realität

Unter Umständen ist z.B. ein Podcast, also das gesprochene Wort, die sinnvollere und erfolgreichere Version eines Textes, nicht das gedruckte Wort. Unter anderen Unständen kann aber auch die multimediale Entwicklung eines Virtual Reality Erlebnisses der richtige Weg sein, um ein komplexes oder sensibles Thema konzentriert, räumlich und nachhaltig erfassbar zu machen.

Je nachdem, wie ein Medienhaus in Zukunft aufgestellt ist, wird die Auswahl und Nutzung des passenden Mediums oder die Entscheidung, sich eines Inhalts bzw. Themas anzunehmen, unterschiedlich leicht fallen. Umso klarer die oben erwähnte Positionierung ist, desto einfacher werden diese Entscheidungen für alle Mitarbeiter*innen und die Führungsebene sein und desto zufriedener werden voraussichtlich die Nutzer bzw. Kunden der angebotenen Produkte und Leistungen sein.

Freitag, April 29, 2016

NGO Blended Learning – Kleine Bildungsrevolution?!

In dem Artikel "Sie ändern alles#", der aktuell in der ZEIT (NR. 19 / 2016) erschienen ist, wird ein interessantes neues Start-Up Projekt im Bereich Bildung beschrieben.

Bei der NGO-Unternehmung Kiron geht es, einfach beschrieben, um einen vereinfachten Zugang zu höherer Bildung durch die Umgehung von klassischen, bürokratischen Barrieren. Das aktuelle Angebot richtet sich speziell an Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind und mit Hilfe von Kiron die Möglichkeit einer höheren Weiterbildung erhalten sollen. Das angewendete Konzept des "Blended Learning" (einer Kombination aus Online- und Offline-Studium) wird hier für die Vorbereitung eines regulären Studienabschluss angewendet. Dieser Ansatz wäre grundsätzlich auch für alle Bildungsinteressierten weltweit anwendbar.

Da das Lernen über Kiron durch eine Bildungskooperation mit verschiedenen Universitäten ermöglicht wird und die Inhalte von überall auf der Welt per Smartphone und Internet-Verbindung nutzbar sind, kann dieses Projekt für die weltweite Verbreitung neuer Denkansätze in Bezug auf neue Werkzeuge in Bildungssystemen sorgen.

Wenn es möglich wird, dass selbst aus einem Flüchtlingslager in einem fremden Land heraus (also mit ganz geringen Mitteln) ein Schritt zur höheren Bildung ermöglicht wird, dann sollte dies in Zukunft nahezu überall möglich sein. Dies würde dann möglich, wenn wir die mit dieser Art von Demokratisierung verbundenen Veränderungen als Chancen verstehen und nicht als Gefahr.

Die weitere Entwicklung dieser Unternehmung wird für alle Menschen, die sich mit neuen Bildungsoptionen und Veränderungen in unseren modernen Gesellschaftssystemen beschäftigen, spannend sein.

Mehr Infos zu diesem Bildungsprojekt:

Dienstag, September 15, 2015

Leitmedium Internet – wann kommt der Umbruch?

Die aktuellen Ergebnisse der Langzeitstudie von ZDF/ARD zum Thema Massenkommunikation lassen interessante Blicke auf die Veränderungen der Mediennutzung der Deutschen zu. In den letzten Jahren verändern sich die Nutzungszeiten nach und nach Zugunsten digitaler Medien. Wie man der zur Studie passenden Grafik von Statista entnehmen kann, ist insbesondere die Gruppe der 14-29 Jährigen bei der Verwendung neuerer Medien mit deutlich höherer Nutzungsdauer positioniert, als der Durchschnitt der Gesamtheit der 4300 Befragten ab 14 Jahren.
https://de.statista.com/infografik/3792/mediennutzungsdauer-2015/
Fernsehen schlägt Internet – doch wie lange noch (Quelle: ARD/ZDF Langzeitstudie & Statista)


Besonders auffällig ist die unterschiedliche Nutzung beim Vergleich der Nutzungsdauer von Fernsehen und Internet. Hier weicht die Mediennutzungsdauer der jüngeren Nutzer vom Gesamtdurchschnitt deutlich ab und es ist hervorzuheben, dass sich in dieser Gruppe schon jetzt eine Verschiebung des Leitmediums vom Fernsehen zum Internet vollzogen hat (sofern man Internet als ein Medium begreift).

Interessant ist aber ebenfalls die Nutzung von Büchern, Magazinen und Zeitungen. Während die Tageszeitungen und Zeitschriften in der jungen Nutzergruppe eine deutlich geringere Bedeutung zu haben scheinen, sind Bücher (hier wird nicht zwischen analog oder digital differenziert) leicht bedeutsamer als beim Gesamtdurchschnitt aller Nutzer.

Die Grafik von Statista zeigt deutlich, dass im Bereich der Massenmedien durch die nachkommenden Generationen eine Verschiebung der Nutzungsdauer verschiedener Medien stattfindet. Entgegen der Beteuerungen von Vertretern der klassischen Medien, wird es, durch die nachwachsenden Generationen ausgelöst, einen deutlichen Wechsel im Leitmedium geben: TV wird nicht mehr auf Platz eins stehen. Diese Veränderung wird sich auch im sonstigen Mediennutzungsverhalten niederschlagen und sicherlich auch auf andere Bereiche der Kommunikation auswirken.

Ob der finale Wechsel im Leitmedium für die deutsche Gesamtbevölkerung noch fünf, zehn oder fünfzehn Jahre dauern wird ist letztendlich egal. Der Wandel hat sich bei den jüngeren Nutzergruppen schon vollzogen und wird sich weiter ausbreiten.


Mittwoch, Juni 03, 2015

Mediennutzungszeit – Internet basierte Medien vs. klassische Medien

Der Informationsservice von Statista scheint mich gerade mit (zum Kommunikation 2020 Blog) passenden Infografiken füttern zu wollen. Der heutige Infografik-Newsletter hatte die Veränderungen in der Nutzungszeit von klassischen vs. Internet basierte Medien als Inhalt.

Sichtbar ist, dass den klassischen Medien (TV, Zeitungen/Zeitschriften, Radio, Kino) von 2010 bis 2014 insgesamt weniger Nutzungsdauer zukommt, während die für "das Internet" aufgebrachte Zeit steigt.

Dabei sollte allerdings berücksichtigt werden, dass in den 65 Ländern, die als Grundlage für die Erhebung herangezogen wurden, die Nutzungsdauer für die Gruppe der klassische Medien noch deutlich über der gemessenen bzw. angegebenen Nutzungszeit für Internet basierte Medien liegt. Dies könnte aber auch daran liegen, dass in der Gruppe der klassischen Medien auch Radio und TV vertreten sind, die u.a. als "Nebenbei"-Medien betrachtet werden können. Inwieweit die entsprechenden Gegenstücke bei den Internet basierten Medien mitgerechnet wurden wird nicht klar.

Dennoch eine beachtenswerte Infografik, die Tendenzen sichtbar macht, aber auch einige Fragen nach den tatsächlich gemessenen Daten aufwirft. 

Grafik: Internet wächst auf Kosten traditioneller Medien (Quelle: ZenithOptimedia & Statista)


Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Dienstag, Juni 02, 2015

Web goes Mobile – 10 Jahre später

Heute erreichte mich ein Newsletter von Statista, der eine Infografik zum Wachstum der Internetnutzung per Mobiltelefon (Smartphone) enthalten hat (siehe unten).

Bei der Gelegenheit ist mir aufgefallen, dass wir vor ziemlich genau 10 Jahren diesen Trend vorhergesagt haben. Dies war auch der erste Blogeintrag, den ich für den Kommunikation 2020-Blog aus dem Vorgänger-Blog ("Kommunikation der nächsten Generation") übernommen habe.

Als kleine geschichtliche Erinnerung: Dieser Blogeintrag erfolgte einige Jahre bevor das iPhone veröffentlicht wurde – wahrnehmbar waren die Tendenzen zu einer stärkeren Mobilisierung der Internetnutzung für einige Medien-Experten aber schon damals.

Für alle, die eine Entwicklung der mobilen Breitband-Anschlüsse von 2010 - 2015 betrachten wollen, gibt es die Statista-Grafik auch hier im Blog zur Ansicht.

Infografik: Mobile erobert das Internet (Quelle: ITU & Statista)



























Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Donnerstag, März 05, 2015

Lernen 2030 - Eine neuartige Lernbegleitung?

Ein Weg zur Vision für 2030 - Bildung in der Zukunft

In der letzten Woche hatte ich ein Wechselbad der Eindrücke zwischen Social Media Week (Hamburg) und Didacta (Hannover) von dem ich noch etwas irritiert bin, insbesondere aufgrund der zum Teil sehr unterschiedlichen Eindrücke. Vielleicht wird man diese leichte Konfusion auch in dem folgenden Artikel wiederfinden. Mir ging es in der vergangenen Woche insbesondere darum, Veränderungstendenzen in Bezug auf die Optimierung der Lernbegleitung und der Nutzung moderner Medien aufzuspüren. Dies ist mir zum Teil gelungen. Die wichtigste Beobachtung für mich war, dass scheinbar kein Akteur im Bildungssystem wirklich zufrieden mit dem aktuellen Zustand zu sein scheint und viele nach neuen Lösungen und Ansätzen suchen.

Nach meinen vorausgegangenen Ankündigungen auf eine mögliche Vision für die Lernoptionen bzw. die Bildung im Jahr 2030 wird es nun Zeit, meine Erwartungen an jetzige und zukünftige Lernbegleiter festzuhalten und einen Ausblick auf eine mögliche Zukunft der Lernmedien zu wagen. Denn ich glaube, dass die Lernbegleiter eine entscheidende Funktion innerhalb eines jeden Bildungssystems einnehmen.


Illustration: AI Dozent und andere digitale Medien in den Medienwolken von Mia im Jahr 2030
AI Dozent und andere "Neue" Medien in den Medienwolken von Mia 2030

Eine neue Definition von Lernbegleitern
Mit Lernbegleitern meine ich übrigens nicht nur “professionell geschulte Personen”, wie Lehrer, auf die dieser Begriff häufig Anwendung findet. Ich erweitere diese Gruppe sehr bewusst. Auf alle jungen oder älteren Menschen, die mit ihren Erfahrungen dabei helfen können, anderen lernbereiten Menschen (jung oder alt) bei der Entschlüsselung der Komplexität unserer Welt zu helfen und sie dabei unterstützen, positive Werte und Fähigkeiten zu entwickeln. Dabei muss die Person nicht zwingend eine professionelle Ausbildung als Lehrer absolviert haben.

In die Zukunft gedacht, sehe ich neben allen menschlichen Lernbegleitern auch alle nicht humanoiden, artifiziellen Unterstützer als Teil der Gesamtgruppe von Lernbegleitern. Dies können dann e-Tutoren oder e-Coaches auf Grundlage von AI (Artificial Intelligence) sein (siehe unten).

Da ich behaupte, dass Lehrer, Eltern, Großeltern, alle sonstigen Verwandten und Freunde nichts anderes sind, als (oft) hilfreiche, sehr individuelle Medien, die bei der positiven Entwicklung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen helfen können, kann ich diese Gruppe der Lernbegleiter also problemlos durch andere Medien erweitern. Womit ich die Verantwortung für die Entwicklung von Menschen quasi in die Verantwortung von allen lege, die Inhalte unterschiedlichster Art bereitstellen, sich in Lernprozesse einmischen und optimaler Weise an einer positiven Zukunft für die Menschheit interessiert sind.

Ist das zu einfach gedacht? Ich glaube nicht.

Meine Wunschliste für eine zukünftige Lernunterstützung
Ich wünsche mir eine Zukunft, in der das derzeit etablierte Bildungssystem vollständig überprüft und umgewandelt wird – transformiert in ein System, das positive Entwicklungen für alle Menschen begünstigt. Ein neuartiges System, in dem keinem einzelnen Lehrer mehr Entscheidungen über die Vermittlung von bestimmten Fähigkeiten zum Zeitpunkt X in die Verantwortung übergeben werden, sondern einem verbundenen Netzwerk an Lernbegleitern, die individuell unterstützen können.

Ich wünsche mir eine Bildung, die bei der natürlichen Neugier der Kinder ansetzt und diese begünstigt, statt sie zu begrenzen. Eine Bildung, bei der Kinder, Jugendliche und begleitende Erwachsene gemeinsam die Lern- und Experimentierwerkzeuge für die Weiterentwicklung definieren, erstellen und nutzen.

Ich wünsche mir ein neuartiges System, in dem ein Mensch individuell gefördert wird, angepasst an die individuelle Geschwindigkeit, die Ausprägung von Talenten und an individuelle Entwicklungswünsche. Ein ganzheitliches System, das dabei ebenso die individuellen Stimmungen, die günstigen und ungünstigen Lernsituationen berücksichtigt.

Ich wünsche mir ein System, in dem Kindern und Jugendlichen Zeit gegeben wird, Ihre persönlichen Fähigkeiten zu finden und diese zu entwickeln.

Dieses System kann aber nicht von Menschen allein geleitet oder begleitet werden. Es benötigt eine höhere, deutlich intelligentere, empathischere Einheit – oder besser gesagt: ein sich weiter entwickelndes Gebilde, welches verschiedene (manchmal gegensätzliche) Ansatzpunkte berücksichtigen kann und nicht immer wieder bei Null starten muss sobald ein Akteur mit seinem Wissen, seinen Fähigkeiten und seinen Erfahrungen ausscheidet. Es sollte ein lernendes System sein, das als Unterstützer und Förderer agiert, ohne die Einschränkungen durch egoistische Absichten Einzelner (die wir Menschen nunmal als Individuen entwickelt haben und selbst über Jahrtausende der zivilisatorischen Entwicklung nicht ablegen können). Es müsste ein offenes System sein, in dem die positive Entwicklung der Menschen ganz deutlich über die wirtschaftlichen Interessen einzelner Personen oder von Interessengruppen gestellt wird.

Ein solches System müsste weiterhin als gesellschaftlicher Auftrag von der Gemeinschaft der Bürger eines Landes getragen werden. Letztendlich könnten aber alle Bürger von einem solchen System profitieren, da es nicht nur bestimmten Personen- oder Altersgruppen (Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, Auszubildende, Studierende, Lehrende etc.) vorbehalten wäre.

Auf dem Weg zu neuen Optionen
Ich glaube, das perfekte Lern- und Coachingsystem für die Zukunft der lebenslangen "Bildung" oder besser formuliert "Entwicklung" ist eine Kombination aus artifiziell intelligentem (Computer)System gepaart mit weltweiten, global und interdisziplinär denkenden und agierenden Gruppen aus menschlichen Lernförderern mit unterschiedlichen Fach-Qualifikationen und mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen.

Dies umzusetzen ist keine leichte Aufgabe, aber wir sind genau genommen schon mittendrin in dieser Entwicklung. Viele der notwendigen “Zutaten” für ein neues Bildungssystem sind schon ausgebildet vorhanden, einige stecken noch in den sprichwörtlichen Kinderschuhen. Die Struktur des Systems muss aber grundsätzlich neu aufgesetzt werden und dabei müssen die Rollen der Akteure neu definiert werden.

Wir sollten neue Prozesse und Werkzeuge definieren, die flexibel und anpassungsfähig genug sind um die Entwicklung von Fähigkeiten zu begünstigen. Es sollten Verantwortlichkeiten neu verteilt werden, wobei die Anpassungsfähigkeit des Menschen genutzt werden kann. Eine Fähigkeit die unsere Spezies schon über tausende von Jahren als Teil ihrer evolutionären Weiterentwicklung bewiesen hat.
Grundsätzlich sollten wir uns in diesem Zusammenhang eine Frage stellen: Wenn wir nicht diejenigen sind, die unsere Zukunft gestalten, wer ist es dann?
Selbst etablierte, schwerfällige Bildungsapparate werden diese Entwicklung nicht aufhalten. Einige dieser Gebilde werden selbstständig, aktiv an dieser Veränderung teilhaben. Andere werden sich vermutlich gezwungener Weise transformieren oder an Relevanz verlieren. Jeder Einzelne, der diese Veränderung vorantreibt indem er entsprechend agiert und neuartige Optionen nutzt, wird Teil der Transformation sein.

Die Entwicklung von Fähigkeiten fördern und Werte vermitteln
Die Verantwortung für die Entwicklung von lebensfähigen und mit guten Perspektiven ausgestatteten jungen Menschen ist definitiv nicht nur ein Thema für staatliche, offizielle und professionelle Organe. Es ist ein Thema, das uns alle betrifft und in das wir alle eingebunden sind. Egal, ob wir uns dessen bewusst sind, ob wir das so wollen oder nicht. Jeder Mensch ist mit seinen Äußerung und Handlungen letztendlich auch ein Medium – ein Bildungsmedium, ein Entwicklungsmedium, ein Vorbild.

Als erste schwere Übung werden wir uns vom Begriff der Allgemeinbildung im Sinne eines etablierten Bildungskanons lösen müssen. Bestimmtes Wissen als relevant zu bezeichnen und anderes Wissen als weniger relevant, ist eine Aufgabe, die vermutlich kein Individuum, auch keine Gruppe von Menschen wirklich bewältigen kann. Dafür ist das (permanent wachsende) Weltwissen mittlerweile zu umfangreich, zu stark ausdifferenziert und zudem regional unterschiedlich relevant – und ungünstiger Weise in vielen Bereichen diskussionswürdig oder nur mäßig bestimmt. Stattdessen müssen wir die Entwicklung von Fähigkeiten begünstigen, die ein selbstständiges Erarbeiten von individuell relevantem Wissen ermöglicht. Das soll nicht bedeuten, dass keine Grundlagen aus verschiedenen Themenbereichen vermittelt werden sollten. Es sollten aber Grundlagen bleiben, die individuell entwickelt werden können.

Ob die spezielle Kenntnis vom Inhalt und den Interpretationsmöglichkeiten von Goethes “Faust” weltweit relevant ist, kann ebenso vortrefflich diskutiert werden, wie die Notwendigkeit des Erlernens von höherer Mathematik oder von Molekularbiologie.

Für wirklich wichtig halte ich heutzutage die Unterstützung der Ausbildung von grundlegenden "Fähigkeiten" wie:
  • Lesen und Schreiben (bzw. deuten und verwenden von Zeichen)
  • Rechnen (Arithmetik)
  • Kommunikationskompetenz
  • Medienkompetenz (mit deutlicher Abgrenzung zu Technikkompetenz)
  • Diskussion und Interpretation historischer Ereignisse
  • Diskussion und Interpretation wissenschaftlicher Erkenntnisse
  • Weiterentwicklung von Ideen
  • Selbstständiges Lernen
  • Teamwork
  • Problemlösungskompetenz
  • Empathie
  • Kritikfähigkeit
  • Selbstbewusstsein und -reflexion
  • Bewusstes Handeln
  • Objektivität
und insbesondere von "Werten" wie sie in der "Erklärung der Menschenpflichten" bzw. "A Universal Declaration of Human Responsibilities" zusammengefasst sind:
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Achtung vor dem Leben
  • Gerechtigkeit
  • Solidarität
  • Fairness
  • Wahrhaftigkeit
  • Toleranz
  • Meinungsfreiheit
  • Gegenseitige Achtung
  • Wertschätzung
Aktuelle Entwicklungen mit viel Potential
Wir werden in Zukunft zunehmend offene MOOCs (Massive Open Online Course) zur Verfügung haben. Mit diesen Hilfsmitteln könnten sich beispielsweise junge, thematisch interessierte und engagierte Schülerin und Schüler, aber auch Erwachsene jeden Alters, universitär fortbilden. Wir werden intensive Interessen- und Lernfreundschaften über Altersklassen und Generationen hinweg finden. Wir können über OER (Open Educational Resources) einen Austausch von Lernmitteln auf internationaler Ebene kultivieren. Wir werden als junge oder ältere Menschen in Barcamps und in offenen Werkstätten jeglicher Art Fähigkeiten weiter entwickeln und uns über Meetups mit ähnlich interessierten, uns noch unbekannten Menschen in virtuellen oder real existierenden Räumen austauschen können. Wir werden neuartige Entwicklungen von kooperativem Arbeiten entdecken und neue Lern- und Arbeitsräume entstehen lassen.

Es wird vermehrt entscheidende Personen in Unternehmen geben, die Potentiale in Menschen sehen und fördern, unabhängig von einem linearen Lebenslauf oder sehr gutem Notendurchschnitt. Diese werden in Unternehmen oder Institutionen sitzen, denen thematisch begeisterte und in der Projektarbeit erprobte Mitarbeiter wichtig sind. Viele der Berufe, für die sich Schüler von heute in ein paar Jahren bewerben werden, existieren heute noch nicht. Sie werden erst entstehen und von Menschen ausgefüllt, die gelernt haben, Neues entstehen zu lassen und mit sinnvollen Tätigkeiten zu füllen.

Viele dieser Bewegungen sind in den vergangenen Jahren entstanden und werden weitere Ausprägungen erhalten. Sie werden das Bildungssystem, wie wir es heute noch überwiegend erleben, aus den Angeln heben und es nachhaltig verändern.

Die Veränderungen werden vermutlich harte Auswirkungen für diejenigen haben, die sich bequem und entwicklungshemmend in dem bisherigen System breit gemacht haben und versuchen ihre Bereiche vor Eindringlingen und vor einer Welle der Demokratisierung zu schützen – aber bei einer globalen Bewegung werden sie sich nicht vor der Veränderung schützen können.

Für alle, die eine Chance für eine positive Zukunft in diesen Veränderungen sehen, wird es eine Zeit geben, in der ihre Talente und ihr Engagement zu (hoffentlich) positiven Einflüssen führen wird. Sie werden Durchhaltevermögen beweisen müssen, aber das ist das Los der Avantgarde, der kreativen Spinner, der Vordenker, der Querdenker, derjenigen, die von einer besseren Zukunft träumen und dafür eintreten. Sie werden diejenigen sein, die Veränderungen bewirken. Sie werden die Welt verändern (frei nach Steve Jobs).

Seien wir also alle positive Lernbegleiter und Förderer von Potentialentfaltung, mit allen modernen, technischen Hilfsmitteln und Vernetzungen, die uns dafür zur Verfügung stehen. Dann wird das Bildungssystem im Jahr 2030, im Vergleich zum Jahr 2015 ein grundsätzlich besseres sein.

Eine Vision für Lernbegleitung in der Zukunft im Jahr 2030
“We always overestimate the change that will occur in the next two years and underestimate the change that will occur in the next ten. Don't let yourself be lulled into inaction.” William „Bill“ Henry Gates III (*1955)
Zum Abschluss und als Ausblick mache ich noch einen gewagten Schritt nach vorne und ergänze die aktuellen und zeitnahen Bewegungen im Bildungssektor mit drei Entwicklungen aus naheliegenden Disziplinen:
  • Semantische Netzwerke (z.B. sinnvolle Verknüpfung von Inhalten)
  • Kybernetik (z.B. biotechnologische Sensorik)
  • Gehirnforschung (z.B. Computer basierte Simulation des menschlichen Gehirns)
Diese drei Bereiche kombiniere ich nun und wende sie auf eine mögliche technologische Entwicklung in den kommenden 15 Jahren in Bezug auf Lernbegleitung an. Dabei kann das folgende skizzierte Szenario entstehen:
Wenn es in den kommenden Jahren möglich sein sollte, dass Lernprozesse mit Hilfe von sensorisch angereicherten, semantisch verknüpften Computersystemen begleitet, analysiert und individuell gefördert werden können, sind die Lernbegleiter der Zukunft insbesondere künstlich intelligente Werkzeuge. Werkzeuge, die in vielfältigen Ausprägungen individuelle Lernimpulse geben können und über entsprechende Sensoren erfassen können, ob sich der Lernende gerade in einer günstigen Lernsituation befindet und ob er neue Information verarbeitet, Verknüpfungen schafft und kreativ aktiv ist oder nicht. Diese Systeme werden möglicherweise sogar in der Lage sein, passende Methoden und Übungen zu entwickeln, die dem jeweiligen Individuum beim Erlernen von neuen Fähigkeiten helfen. Diese Werkzeuge werden hochkomplexe, individualisierte Systeme sein, mit einem Potential, welches wir uns heute nicht annähernd vorstellen können.

Die Aufgaben der menschlichen Lernbegleiter werden sich noch stärker weg von der Wissensvermittlung in Richtung Entwicklungsbegleitung und menschliche Wertevermittlung bewegen. Sie werden insbesondere Bezugs- und Entwicklungspartner für die Lernenden sein.

Es wird neue virtuelle und reale Lernräume geben, die mit heutigen Klassenzimmern, Vorlesungssälen oder Seminarräumen nur noch sehr wenig gemeinsam haben.

Eventuell wird es in Zukunft nicht nur ein quasi-standardisiertes Bildungssystem geben, sondern eine große Vielfalt von alternativen Bildungsmöglichkeiten, die individuell nutzbar sind.


Eine detailliertere Beschreibung der Optionen und Herausforderungen, die sich aus der Bereitstellung solcher Werkzeuge ableiten lassen, überlasse ich einem zukünftigen Blogpost. Hier lässt sich aber vorzüglich die Diskussion über die Demokratisierungsoptionen und die Herausforderungen der Infrastruktur Internet und der darauf basierenden Dienste erweitern.
“The best way to predict the future is to invent it.” Alan Curtis Kay (*1940), Informatiker

Links zum Thema:
Online-Kurs “Meine Schule transformieren – Ein Reiseführer”
Massachusetts Institute of Technology (english) 

Montag, Oktober 28, 2013

Kommunikation 2030

Wir wissen nicht einmal was in den nächsten Minuten oder Stunden passieren wird – aber sehr häufig haben wir aus unserer Erfahrung heraus eine Ahnung davon, was passieren könnte.

Aus den Erfahrungen, die unser Team in den letzten Jahren mit der Erstellung von Medienwolken-Szenarien machen konnte und aus den weiterführenden Recherchen zu aktuellen Forschungen und Entwicklungen in verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten haben wir einen weiteren Sprung in die Zukunft gewagt: Eine Zeitreise zur Zukunft der Kommunikation in das Jahr 2030. Verständlicher Weise begleitet uns dabei immer die Gewissheit, mit diesen Annahmen auch völlig falsch liegen zu können. Deshalb werden wir dieses Szenario – wie es auch mit dem von Lukas (Vision 2020) passiert – in den kommenden Jahren weiter optimieren.

Die ersten Nutzer dieses Szenarios zu einer potentiellen Medienrealität im Jahr 2030 werden sich neben den K2020-Blog-Lesern diesmal unter den Lesern der "Internet World Business" befinden. Auf Anfrage aus der Redaktion haben wir für einen Artikel über die Zukunft der Medien und der Werbung ein paar Projektnotizen und eine Betaversion unserer laufenden Projektarbeit angeboten. Mit diesen Informationen haben wir mächtiges Erstaunen und Interesse hervorgerufen. Denn in dieser Medienwolke für 2030 werden sich Medien und Kommunikation, wie wir sie heute noch kennen, sehr stark verändert haben. Insbesondere durch die Nutzung von Biotechnologie für die Konstruktion neuartiger Kommunikationsinterfaces könnte es zu einem extremen Paradigmenwechsel in Bezug auf die Nutzung von Medienangeboten und zwischenmenschlicher Kommunikation kommen. Dagegen wirkt unsere Vision 2020 noch sehr "harmlos".

Dieses Szenario 2030 hängt jedoch vom Erfolg aktueller technologischer Entwicklungen in Form ausgereifter Produkte und von neuartigen Interface-Konzepten ab, die derzeit noch in Forschungsinstituten und Entwicklungsabteilungen rund um den Erdball erforscht und erprobt werden. In wieweit die Verfügbarkeit von Serienprodukten im genannten Stichjahr gewährleistet sein wird, ist noch völlig unklar.

Als ersten Vorgeschmack zeigen wir hier einen kleinen Ausblick auf die potentielle Medienwolke von Mia (unserer 20-jährigen Studentin im Jahr 2030).


Medienwolken Vision 2030, vorstellbare Medienrealität (Betaversion 2013) – Ein Projekt von "K2020 – Die Zukunft der Kommunikation"




Einzelne "Innovationen der Zukunft", wie AI Dozent, Erlebnisrekorder oder den virtuellen Privatassistenten werden wir Stück für Stück in den kommenden Monaten/Jahren erläutern. Da es sich hier um eine vorveröffentlichte Betaversion handelt, wird sich bei dieser Vision für die Zukunft der Kommunikation voraussichtlich auch noch einiges während der weiteren Studien verändern und evtl. verzögern sich unsere Veröffentlichungen etwas.


Nachtrag:
Einen erster Vorgeschmack auf ein paar neue Medien, die Mia im Jahr 2030 in ihren Medienwolken haben könnte, gibt es im Artikel "Lernen 2030 - Eine neuartige Lernbegleitung?".

Dienstag, September 17, 2013

Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft: Das erste K2020 Impulsbuch


Screenshot vom K2020 Impulsbuch "Medienwolken 1960 – 2020" im iBookstore
Da ich in den vergangenen Jahren häufig nach Hintergrundinformationen zu dem Medienwolken-Kategoriensystem und den Stellvertreter-Illustrationen gefragt wurde, hat die projektwerft nun ein digitales Impulsbuch zu diesem Thema mit dem Titel "Medienwolken 1960 – 2020" veröffentlicht.

Dieses K2020 Impulsbuch ist insbesondere für Menschen gedacht, die sich mit dem Medienwolken-Ansatz und den Veränderungen in unseren modernen Informationsgesellschaften auseinandersetzen wollen. Es enthält neben anderem Material die erwähnten Illustrationen mit Kurzszenarien zu den Studenten-Stellvertretern der Jahre 1960 – 2020.

Zunächst haben wir eine eBook-Version erstellt, die zu günstigen Konditionen für die private Nutzung exklusiv im iBookstore und für das iPad und den Mac (ab OS 10.9) erhältlich ist.

Für Berater und Unternehmen können wir auch erweiterte Nutzungsrechte für eine gewerbliche Nutzung des "Medienwolken 1960 – 2020" eBooks vergeben. Falls Sie Interesse daran haben, kontaktieren Sie mich bitte über info(at)projektwerft.de (Stichworte: Nutzungsrechte Medienwolken Impulsbuch). 

Sonntag, Juni 09, 2013

Facebook als Recherche-Medium


Aus aktuellem Anlass will ich hier einmal auf unsere Facebook-Chronik als Recherche-Medium verweisen. Da sind insbesondere für Schüler, Studenten und Lehrer einige hilfreiche Einträge zu finden (die ich hier nicht poste). Wenn Ihr eingeloggt seid, können zusätzlich zu den letzten Einträgen alle Jahrzehnte Studenten (Medienwolken von 1960, 1970 etc. bis zur Vision 2020) in der Chronik aufgerufen werden.

Wenn Euch die Illustrationen der Medienwolken gefallen, dann freue ich mich über ein "gefällt mir".



Bild: Die 1960er Medienwolken-Illustration aus unserer Facebook-Chronik


Mittwoch, April 10, 2013

Eine neue Sichtweise: GLASS

Der aufmerksame Leser hat bestimmt noch die ersten Hinweise auf das Project GLASS von Google "vor Augen", die ich vor genau einem Jahr hier veröffentlicht habe. Darin habe ich insbesondere mal wieder auf unseren K2020 Lukas und seine Datenbrille im Jahr 2020 hingewiesen.

Nun sieht es so aus, als wenn Google sehr bald funktionsfähige Geräte dieser Art auf den Markt bringen wird. Ein ausgewählter Personenkreis durfte die Brillen ja schon vorab testen und nun folgt die erste Welle einer größeren Testgruppe.

In einem neuen Video und einer speziellen Produkt-Webseite präsentiert uns der Webgigant nun die zu erwartenden Möglichkeiten.

Was dieses neue Interface aus meiner Sicht zunächst sein wird, ist eine neue Art von Foto- und Videokamera: eine Actioncam für nahezu jedermann (der sich das Gerät leisten kann und will). Wobei die Augmented Reality Funktionen der Brille (die im WLAN oder per Bluetooth-Verbindung mit einem Smartphone möglich werden) absolut nicht zu unterschätzen sind. Je nachdem, was sich die App-Entwickler, in Bezug auf die Erweiterung der Realität mit Hilfe eines immer in Blickrichtung des Trägers ausgerichteten Kamera-Objektivs, alles einfallen lassen, kommen noch einige Wahrnehmungsveränderungen, kulturelle Herausforderungen und Verwirrungen auf uns zu.



Dagegen sind die Gerüchte über eine mögliche Apple SmartWatch nahezu niedlich, wenn ich daran denke, was eine quasi "always on" Kamera mit Internetverbindung im Vergleich zu einem Handgelenk Smart Device so alles anrichten aber auch ermöglichen kann. Und ich denke hierbei nicht an die erste Generation dieser Geräte/Interfaces.

Wenn man sich in Zukunft nicht unfreiwillig in Großformat live im Web wiederfinden will (insbesondere wenn die Technologie irgendwann auch eine Live-Gesichtserkennung ermöglicht und gleich den Namen der aufgenommenen Person mitveröffentlicht), ist jetzt wohl die Zeit sich einen tragbaren Störsender anzuschaffen, der einen gegen Google GLASS Aufnahmen schützt. Und falls es solchen noch nicht gibt, könnte es ein Verkaufsschlager werden. Insbesondere in Ländern mit ausgeprägten Persönlichkeitsrechten wird es noch einige Diskussionen zu diesen neuen Smart Devices geben.

Fernab von der privaten Nutzung sehe ich ein Produkt, wie Googles Glass, jedoch als perfekte Erweiterung von Support-Angeboten für Unternehmen. Für Geschäftskunden könnte eine "Online Guidance" bei Reparaturen, Maschineneinstellungen oder Softwareproblemen angeboten werden, bei denen der Kunde zum umsetzen der Anweisungen beide Hände frei hat und für den Support-Experten direkt sichtbar ist, was der Kunde gerade sieht. Auf dieser Grundlage könnten sowohl für professionelle wie auch private Anwender ganz neue Support-Angebote und Web-Portale entstehen.

Es bleibt spannend ...

p.s.: Alle von mir mit GLASS gelabelten Einträge können über diesen Link aufgerufen werden.

Freitag, Januar 18, 2013

Wird es 2020 noch hochwertige digitale Inhalte geben?

Da das neue Jahr mal wieder eher ruhig begonnen hat, gibt es für mich etwas Zeit, um einen kurzen Blick auf ein paar Themen der zurückliegenden Monate zu werfen, die für einen Blog über die Entwicklungen im Bereich digitale Medien relevant waren.

2012 war ein Jahr, in dem in Deutschland diverse Diskussionen zur Zukunft von Zeitungen und ihren Machern geführt wurden. Somit konnte ein Beobachter der Medien nicht umher, diverse Debatten zu Qualitätsjournalismus, Urheberrechten und Zeitungssterben zu verfolgen. Ob es dabei tatsächlich um die Qualität der Inhalte ging und geht, will ich an dieser Stelle nicht bewerten. Es geht aber bestimmt darum, dass sich alte Denkmuster und Geschäftsmodelle scheinbar nicht mehr halten können. Und es geht um eine Veränderung in den Nutzungsmustern der Rezipienten von analogen und digitalen Inhalten – eine Veränderung die zum Teil schon stattgefunden hat, aber auch weiterhin stattfindet.

Ich werde mich hier weder als Kommentator der verschiedenen Positionen versuchen, noch ein Urteil über die verschiedenen Diskussionsteilnehmer fällen. Diskussionen und Debatten, die zu einem gesellschaftlichen Wandel geführt werden, sind in heutiger Zeit (und waren sie schon immer) wichtig und sollten deswegen auch über verschiedene Kommunikationskanäle hinweg geführt werden. Eventuell ist es somit möglich, viele Menschen mit der Debatte zu erreichen und zu neuen Erkenntnissen zu gelangen.

Wertschätzung
Ein wesentlicher Punkt, der mir in all dem, was ich gelesen, gesehen und wahrgenommen habe, aufgefallen ist, war die Frage nach der zukünftigen Bezahlung für inhaltliches oder künstlerisches Arbeiten. Und dies ist grundsätzlich eine Frage nach der Wertschätzung von Arbeit.

Die Frage nach einem zukunftsfähigen System für die Honoration von geistiger Arbeit ist auch durchaus wichtig. Ein Autor, Künstler oder Programmierer hat heute zwar mehr Möglichkeiten ein Publikum zu erreichen, aber dies bedeutet noch lange nicht, dass ein Vertreter dieser Berufsgruppen auch seinen Lebensunterhalt mit diesem Erreichen von Öffentlichkeit verdienen kann, wenn niemand bereit ist, für die geleistete Arbeit zu bezahlen. Skaliert man dies nun auf einen riesigen Apparat wie einen Verlag, verzigfacht sich dieses Problem und sehr viel mehr Existenzen hängen an der Bereitschaft zu geldwerter Honorierung.

Die scheinbar sinkende Bereitschaft, den Machern von hochwertigen Inhalten oder digitalen Werkzeugen eine Wertschätzung in Form von Bezahlung entgegenzubringen, könnte dazu führen, dass die noch vorhandenen Vielfalt von hochwertigen Zeitungen, Magazinen, Büchern, Software, etc. pp. sehr bald versiegt. Ein Autor, der mit seinen Texten nichts mehr verdienen kann, wird bald auch keine mehr schreiben – egal wie gut diese waren und wie gerne er weiterhin schreiben will. Ein Programmierer von Apps, der keinen Cent für seine Arbeit erhält, wird keine weiteren Apps mehr anbieten. Ein Grafiker oder Fotograf, der nur positive Kommentare, "warme Worte" und "likes" als Anerkennung für seine Arbeit und sein Talent erhält, wird auf andere Art seine Brötchen verdienen müssen – egal wie beeindruckend seine Illustrationen, Grafiken oder Fotos waren. All diese bisher professionellen Kreativen werden mehr Zeit in einen anderen Broterwerb investieren müssen und weniger Zeit für die Entwicklung ihrer Talente haben.

Warum die hochwertigen Inhalte aussterben
Wenn die nachrückenden Generationen feststellen werden, dass man mit solcher (kreativer) Arbeit und egal welchem Talent kein Geld (mehr) verdienen kann, wird es kaum noch Nachwuchs in diesen Bereichen geben – solange, bis eine solche Tätigkeit wieder als etwas Besonderes gilt, dem man auch finanziell Wertschätzung entgegen bringen sollte.

Derzeit glaube ich, dass wir im Jahr 2020 zwar ein technische Weiterentwicklung von Geräten zur Darstellung von Inhalten finden werden, jedoch die hochwertigen Inhalte aufgrund ihres Werteverlustes und des damit verbundenen Verschwindens vieler Macher kaum noch zu finden sind. Stattdessen wird es eine Vielzahl dilettantenhafter Inhalte geben, ein unendliches Heer von unsäglichen Einträgen in Sozialen Netzwerken und kaum noch etwas, über das wir wirklich eine Art erweiterten Blick erhalten.

Erst wenn die Verlage es hinbekommen, den Käufern und Lesern von Zeitungen, Magazinen oder Büchern klarzumachen, dass Sie nicht für das Papier bezahlen, sondern für die Inhalte (also Hintergrund-Artikel, Tipps, Impulse, Impressionen und Perspektiverweiterungen) dann wäre die Existenzgrundlage für Autoren und Verlage gesichert.

Neue Konzepte
Als Apple im iTunes Store die Auflösung von Alben in Sammlungen einzelner Titel betrieben hat – was einige Fans von Künstler-Alben empörte – konnte eine große Zahl von Nutzern der Plattform dazu bewegt werden, einzelne Titel zu kaufen statt ganze Alben über "graue" Wege zu klauen. Für Zeitschriften oder Zeitungen würde die Adaption dieser Logik bedeuten, sowohl das Sammelwerk anzubieten, wie auch den Kauf von einzelnen Artikeln zu ermöglichen. Als Bonus wäre dann noch eine "Magazin vervollständigen" Funktion hilfreich. Wenn ein Leser eh schon die Hälfte des Magazin-Preises für eine Auswahl von Artikeln bezahlt hat, liegt die Vervollständigung ab und zu schon nahe.

Der Lonely Planet Verlag (das englische Original, nicht der deutsche Vertriebspartner) hat dies scheinbar schon verstanden und bietet sogar seine Reiseführer als modulare eBooks an. Aber dies ist noch ein Einzelfall.


Wenn Verlage sich also von dem zwanghaften Verkauf von Inhaltssammlungen (was Zeitungen und Magazine nun einmal sind) in den digitalen Versionen verabschieden würden und die Inhalte ihrer Autoren auch modular (quasi als "Lose Blattsammlungen") verkaufen würden, wäre zum einen klar, dass nicht das Heft oder Buch gekauft wird, sondern die Artikel (also die Inhalte) und zum zweiten wären vielleicht mehr Leser bereit z.B. einen Leitartikel als einzelnes "Produkt" zu erwerben.

Dieses Prinzip könnte sogar für Fachbücher oder Sammelwerke eingesetzt werden, um damit auch einzelne Kapitel zu monetarisieren. Dieses Konzept haben externe Anbieter wie der deutsche eBook Anbieter "paperc" oder das englische Portal "Reference Tree" auch schon aufgenommen und zum Geschäftsmodel gemacht. Beiden Lösungen fehlt aber noch der "Buch vervollständigen" Button.

Ein positiver Nebeneffekt bei einem solchen Konzept wäre für die Verlagsleitungen, dass dadurch auch klar wird, für welche Artikel die Leser bereit sind Geld auszugeben. Aber auch die Autoren würden somit eine Möglichkeit erhalten, Artikel anzubieten, die sich über ihren Verkaufsrang positiv auf das Honorar bzw. das Gehalt auswirken.

Mit der Zehnerkarte zum Inhalt
Eine weitere Idee, die wir in der projektwerft diskutiert haben, ist ein System in dem ein Leser z.B. Zehnerkarten für digitale Artikel seines Lieblingsmagazins kaufen kann. Ähnlich den Rabattkarten, die es früher im Schwimmbad gab, gibt es dann eine "digitale" Zehnerkarte mit zehn Pin-Codes, die der Leser für den Kauf von Artikeln einsetzen kann. Und zwar auch über mehrere Wochen oder Monate verteilt, wenn er das will. Schön wäre dabei allerdings auch eine Verlagsübergreifende "LeserKarte".



Für eine Rabattierung könnten entsprechende Staffelungen eingeführt werden: Ich kaufe eine Zehner-, Fünfziger- oder Hunderter-Karte und kann sie per Pin-Codes oder mit einem anderen Transferverfahren für diverse Zeitungs-, Zeitschriften- oder sogar Buchartikel einsetzen.

Wenn so etwas auch noch über Verlagsgrenzen hinweg funktionieren würde, wäre das natürlich noch benutzerfreundlicher. Dafür benötigt man dann allerdings ein unabhängige Verkaufsstelle, bei der die Kunden die "LeserKarte" kaufen und die Verlage die eingelösten Codes wieder in handelsübliche Zahlungsmittel umwandeln können. Vermutlich ist da eine Verlagsinterne Lösung der zunächst einfachere Weg.

Wie würden Leser von digitalen Inhalten wohl zum Beispiel mit einer Gruner + Jahr "LeserKarte" umgehen? Einzelne GEO Artikel digital kaufen? Einen STERN Leitartikel digital kaufen? Ein ELTERN Themen-Dossier digital kaufen? Ein SCHÖNER WOHNEN Einrichtungs-Dossier digital kaufen? Oder darf man doch nur Leser dieser Inhalte werden, wenn man die ganzen Hefte zu kaufen bereit ist?

Das Scheitern von alten Bezahlmodellen
Solange aber noch zwanghaft an alten Abomodellen und dem ausschließlichen Verkauf in Inhaltssammlungen festgehalten wird (damit sind insbesondere Zeitungen, Magazine und Sammelbände gemeint), kann sich nichts verändern und der Trend zur wilden Suche per Google und Co. nach einer alternativen Information bleibt bestehen.

Sicherlich gehöre ich hier wieder zu einer Art Avantgarde, die zwar bereit ist, Geld für gute Inhalte auszugeben – egal ob diese analog oder digital daher kommen – aber nicht mehr bereit ist sich veralteten, scheinbar unsinnigen Bezahlmodellen zu unterwerfen.

Wenn ich gezwungen werde ein Miniabo für einen festgelegten Zeitraum abzuschließen, wenn ich eigentlich nur einen Artikel lesen will, bin ich erstmal weg.

Wie wird das dann erst von den nachwachsenden Generationen wahrgenommen? Was würde wohl Lukas zu den noch üblichen Abomodellen und Heftverkäufen sagen?

Moderne Bezahlkonzepte nutzen oder weiterentwickeln
Eventuell liegt das Problem also eher in den Möglichkeiten der geldwerten Wertschätzung, die Nutzer heutzutage haben, um "digitale" Autorenleistungen im Web zu honorieren.

Noch wichtiger sind jedoch modernere Bezahlkonzepte für Medienplattformen wie iPad, iPhone oder die vielen anderen mobilen Gegenstücke zum "klassischen" Web. Der heftweise Verkauf oder das scheinbare Aufzwingen von Abomodellen ist nicht der richtige Weg, um die Nutzer dazu zu bewegen, Verlags- und Autorenarbeit im Jahr 2013 monetär wertzuschätzen.

Der sinnvolle Einsatz von Micropayment-Konzepten ist gefragt. Und wenn Unternehmen wie Apple diesbezüglich nicht flexibel genug sind, muss ein Verlag nach anderen Wegen suchen, damit eine gewisse Flexibilität bei der Zahlung möglich wird. An dieser Stelle ist dann die Kreativität in Verlagshäusern auf eine ganz andere Art gefordert. Die Kunst des Schreibens und Kommentierens reicht hier nicht.

Den Blick erweitern
Statt also über Veränderungen in der Gesellschaft in einengenden Argumentationsräumen zu debattieren ist es vermutlich sinnvoller, sich die aktuelle "Weltkarte der Medien" anzuschauen und neue Pfade zu den Kunden zu entdecken, sowie diese auszubauen und sich nicht nur auf die alten Handelswege zu verlassen. Bei der Entdeckung und dem Ausbau neuer Handelswege in der fernen Vergangenheit ist man allerdings auch nicht anders zum Erfolg gelangt, als damit, die neuen Routen letztendlich auszuprobieren.

Diese eher bildhafte Metapher, mit in Weltkarten eingezeichneten Handelswegen, soll ein wenig den Blick für mögliche Denkansätze öffnen. Mir erscheint es manchmal sinnvoll, ein paar Jahrzehnte oder Jahrunderte in der Zeit zu reisen, um aktuelle, ausgetretene Gedankengänge zu verlassen.


Wie immer, freue ich mich über Kommentare mit Gegenpositionen und weiteren Anregungen für Lösungsansätze in diesem Themenbereich – die Betonung liegt hier aber deutlich auf LÖSUNGSANSÄTZE ;-)


Anm.: Der Blogeintrag wurde am 19.01.2013 noch etwas erweitert.