Sonntag, September 30, 2018

Samstag, September 29, 2018

Virtual Reality als Werkzeug fördert kreatives Denken

Seit einigen Jahrzehnten (vielleicht sogar Jahrhunderten oder Jahrtausenden) kommen Themen wie virtuelle Realität oder künstliche Parallel- oder Fantasiewelten auf unterschiedliche Weise immer wieder im öffentlichen Diskurs vor. In der weiter zurückliegenden Vergangenheit wurden diese Begriffe überwiegend in Erzählungen und Kunstwerken zur Beschreibung einer unwirklichen Welt außerhalb der materiellen Wahrnehmung genutzt und hatten dabei nicht selten etwas mit spirituellen Orten außerhalb der haptischen Erfahrung des Raumes zu tun. Nicht nur Alice wandelt im Wunderland quasi durch eine virtuelle Realität, eine unwirkliche Welt der eigenen Vorstellungskraft.

Aktuell ist jedoch insbesondere die computerbasierte Medientechnologie mit speziellen Virtual-Reality-Brillen und Interaktions-Controllern im Fokus der gesellschaftlichen Diskussion, wenn es um das Thema "Virtuelle Realität" geht. Wobei das technische Equipment, wie bei jedem anderen etablierten Trägermedium auch, nur die Grundlage für eine vielfältige Ausprägungen von Inhalten ist.

Seit der letzten größeren Virtual-Reality-Welle, die hauptsächlich in Verkörperung der Internet basierten Plattform "Second Life" in den Jahren nach 2003 in der Öffentlichkeit diskutiert wurde, hat sich insbesondere mit der Vorstellung der VR-Brille des Unternehmens Oculus VR einiges in dem Segment der technischen Möglichkeiten von VR verändert. Jedoch haftet dem Thema mancherorts immer noch eine Patina der unsinnigen Spielerei oder des nerdhaften an.

In Bezug auf Second Life kann jeder meine Enttäuschung zu den Erfahrungen mit der damaligen Ausprägung einer Social-VR-Plattform hier im Blog nachlesen. Diese in einen 2D-Monitor gezwängte 3D-Welt entsprach nicht meiner Vorstellung von Virtual Reality oder sozialer Interaktion. Das hat sich seit der Verfügbarkeit von nutzbaren VR-Brillen (im Fachjargon auch Headmounted Display oder HMD genannt) deutlich verändert.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Anfangs wurden die neuartigen VR-Brillen eher als Gadgets für die Gamer-Szene beschrieben. Nach und nach hat sich in den vergangenen Jahren aber herumgesprochen, dass mit den neuartigen Brillen sehr viel mehr möglich ist, als "nur Spielerei". Die aktuelle Technologie ist hervorragend für den Einsatz als Werkzeug für verschiedene Anwendungen geeignet. Beispielsweise zur virtuellen Simulation der menschlichen Anatomie in der medizinischen Ausbildung oder im Biologieunterricht, also als Lehrmittel. Auch die Nutzung als Design-Werkzeug ist mittlerweile sehr ausgeprägt und mit vielfältigen Anwendungen auf unterschiedlichste Weise einsatzbereit. Nicht nur das schon sehr populäre Google TiltBrush, mit dem sich hervorragend im dreidimensionalen Raum malen und zeichnen lässt, ist ein mächtiges Werkzeug für die Entwicklung virtueller Kunstwerke. Schon einige Künstler haben mittlerweile, wenigstens temporär, Pinsel und Leinwand gegen ein Virtual-Reality-Equipment eingetauscht und lassen damit fantastische, zuvor unvorstellbare Werke entstehen.

Die Liste der Einsatzbereiche von Virtual Reality als Werkzeug lässt sich noch weit über Konstruktionssimulation, Architektur-Visualisierung, räumliche Datenvisualisierung, Szenografie Planung bis hin zur Unterrichtsunterstützung nahezu jedes aktuellen schulischen Unterrichtsfachs fortsetzen (selbst im Sport- oder Religionsunterricht gäbe es sinnvolle Einsatzmöglichkeiten).

Veränderung des Denkens

Mir persönlich ist in den vergangenen Jahren, seitdem ich im Rahmen der meetVR Veranstaltungen und Virtual Reality Hamburg Meetups der projektwerft mit vielen Menschen einen regen Austausch über das Thema führen kann, eine weitere interessante Sache aufgefallen: Nahezu jede*r neue Nutzer*in eines hochwertigen VR-Setups (damit ist alles auf dem Qualitätsniveau eines Google Cardboards ausgeschlossen) konnte sich nach nur kurzer Zeit des Ausprobierens eine Fülle an Anwendungsoptionen der VR-Technologie vorstellen. Einige waren sogar in der Lage, aus den Erfahrungen in der virtuellen Welt heraus, vollständig neue Ideenansätze für ihre "klassischen" Projekte zu denken.

Dabei ist mir allerdings auch ein weiterer Punkt deutlicher geworden: Besondere der Austausch mit anderen Menschen über die eigene VR-Erfahrungen hilft scheinbar dabei, die möglichen Optionen noch weiter zu denken. Weshalb die Kombination aus VR-Erlebnis und zwischenmenschlichem Austausch sehr wertvoll erscheint und die Nutzung der VR-Technologie, trotz Individualerlebnisses, zu einem sozialen Ereignis expandiert.

Auch wenn ich dafür noch keine Studie als Beleg heranziehen kann, habe ich persönlich die Hypothese entwickelt, dass die kreative Nutzung der VR-Technologie auch das kreative, konzeptionelle Denken und Agieren in der materiellen Welt fördern oder erweitern kann. Auch oder insbesondere für Menschen, die sich bisher nicht als besonders kreativ bezeichnen würden. Die Möglichkeiten des Denken in einem multidimensionalen Raum, in dem sogar die Gesetze der Physik durch Simulationen veränderbar sind und neuartige, "unmögliche" Szenarien virtuell umsetzbar sind, können auch Gedankenexperimente oder Konzeptideen in unserer materiellen Welt positiv beeinflussen. Dies gilt nicht nur für Designarbeiten, Unterrichtsunterstützung oder die Begleitung von Angst-Therapien, sondern auch für die Vermittlung von gesellschaftlich relevanten Themen wie Vielfalt, Toleranz, Zerstörung oder Bewahrung der Natur u.v.m..

Virtual Reality Technologie ist schon lange deutlich mehr als nur eine Spielerei, sie ist ein mächtiges neues Werkzeug zur Weiterentwicklung von Ideen nahezu jeglicher Art. Aber ähnlich wie bei den Einführungen vorheriger Medientechnologien (u.a. Buchdruck, Telefon oder Internet) brauchen die Menschen Zeit, um die Herausforderungen wie auch die Möglichkeiten einer solchen Technologie selbst zu testen, kritisch zu bewerten und konstruktiv zu diskutieren. Die Zeit sollte man auch der Etablierung dieser Technologie geben. Ich persönlich glaube, es lohnt sich, möglichst vielen Menschen den Zugang zum Wunderland zu ermöglichen und dabei insbesondere der Kreativität unendlichen Raum zu verschaffen.

Sonntag, Juli 22, 2018

Zukunftsoptionen der Medienhäuser

Bei einem Virtual-Reality-Workshop vor einigen Wochen wurde ich gefragt, wie ich mir die Zukunft von Verlagen und anderen Medienhäusern vorstelle, in einer Welt mit steigender Vielfalt an Medientechnologien. Meine spontane Antwort war: Vielfältig und multimedial.


Geschichtlicher Rückblick

In der darauf folgenden Erläuterung führte ich weiter aus, dass es mit Blick auf die Mediengeschichte der Druckerzeugnisse und der darauf folgenden Erfindungen wie Telegraf, Fotografie, Schellackplatte, Radio, Film und Fernsehen, die als eigenständige Medien-Technologieentwicklungen angesehen werden können, durchaus für eine gewisse Zeit sinnvoll war, diese Medienformen zu unterscheiden und jeweils passende Erzählformen zu etablieren. Ebenso sinnvoll war die Gründung entsprechender Medienhäuser und die Ausbildung von kompetenten Fachleuten mit Expertenwissen.

Mit zunehmender Digitalisierung von Daten und Medieninhalten seit Mitte der 1980er Jahre und insbesondere seit Etablierung der sogenannten "Social Media" Kanäle auf Grundlage des Internets in den 2000er Jahren hat sich dies aber verändert. Durch die mittlerweile nahezu durchgängige Digitalisierung von Inhalten (von der Erstellung bis zur Distribution), hat man eine gemeinsame technische Plattform als digitalen Medienträger (statt unterschiedlicher Trägerformate). Zudem sind extrem viele Werkzeug in Medienunternehmen Computer basierte, digitale Werkzeuge – und somit grundsätzlich nutzbar für die Erstellung und Bearbeitung unterschiedlichster Medieninhalte.

Mit dem Internet und insbesondere dem World-Wide-Web existiert seit spätestens Mitte der 1990er Jahre eine quasi permanent verbindende Infrastruktur für diverse, gleichzeitige Medienkanäle über die mittlerweile sowohl Text/Bild, Podcasts, E-Books, iP-Radio, Video-Streams, iP-TV, AR, VR und diverse andere digitale inhaltliche Formate gleichzeitig distribuiert werden können.

Grafik: Konvergenztendenzen durch digitale Medien. Version 2015. Original von 1995: "Konvergenztendenzen durch Multimedia", Hypothese eines zukünftigen digitalen Konvergenzträgers von K. Heddergott und C. Steinhard. 


Für auditive, visuelle und einige haptische Reize haben wir schon gute bis nahezu perfekte digitale Übertragungsformen und Interfaces entwickelt. Aber zwei Sinnesreize sind noch nicht oder nur ungenügend digitalisierbar. Für olfaktorische und gustatorische Reize sind noch keine guten Ein-/Ausgabe-Interfaces für den Analog-Digital-Analog-Transfer vorhanden.

Grundsätzlich gilt schon jetzt: Die ehemals getrennten Elemente Text, Bild, Ton, Bewegtbild sind schon jetzt über ein etabliertes Ausgabemedium parallel nutzbar (z.B. Smartphone) und es ist sinnvoll, die jeweils günstigste Erzählform für eine Geschichte bzw. den Versuch einer Informationsvermittlung zu wählen. Mit der Einführung von moderner Virtual-Reality-Technologie wurde zusätzlich noch die visuelle und auditive dreidimensionale Verortung im Raum und ein gewisses haptisches Feedback möglich.

Die Fähigkeiten der oben erwähnten Experten werden auch weiterhin benötigt – nur mittlerweile deutlich vernetzter und weniger alleinstehend. Alle Experten müssen dafür über ihren bisherigen "Tellerrand" hinausschauen und eine Vielzahl paralleler Entwicklungen im Blick behalten, die auf die eigene Arbeit Einfluß haben und diese zum Teil sogar disruptiv verändern können.

Gegenwärtige Entwicklungen

Völlig unabhängig davon, aus welchem geschichtlichen Hintergrund heraus ein Medien- bzw. Verlagshaus entstanden ist, sind theoretisch alle Kanäle bespielbar. Einige große ehemals auf den Medienkanal Fernsehen ausgerichtete Medienhäuser machen das schon sehr gut vor, wie am Beispiel der vielfältigen Angebotskanäle der Tagesschau zu sehen ist. Die jeweiligen Sendungen werden zusätzlich mit Texten, Bilden, Infografiken, Videos, Links etc. weit über den eigentlichen Sendetermin des ehemalig zeitlich begrenzten Programmpunkts hinaus begleitet und über verschiedene Kanäle (TV, Webseite, Smartphone-App, iP-TV-App, Teletext, Youtube, u.a.) zeitlich und örtlich unabhängig zugänglich gemacht.

In manchen Medienhäusern fehlt jedoch, trotz Leidensdruck durch abnehmende Nutzerschaft, noch der Mut zur Veränderung und zur ernsthaften Anpassung an die modernen Wünsche der Rezipienten bzw. Nutzer. Schon längst sind Text, Bild, Ton, Video, interaktive Grafiken, Augmented Reality und sogar Web-Virtual-Reality gleichberechtigt nebeneinander nutzbar.

Mögliche zukünftige Ausrichtungen

Es gibt in den Extremausprägungen also grundsätzlich nur zwei sinnvolle Ansätze für Medienhäuser:
  1. Vollständig ganzheitlich multimediale Ausrichtung mit Publikationen über möglichst viele Distributions-/Medienkanäle hinweg und dem Einsatz diverser Monetarisierungsmodelle mit bestmöglichem Preis/Leistungsverhältnis für den Kunden bzw. Nutzer (eher für größere Unternehmen)
  2. Extreme Spezialisierung mit sehr eingeschränkter Anzahl an Distributions-/Medienkanälen und ebenfalls dem Einsatz diverser Monetarisierungsmodelle mit bestmöglichem Preis/Leistungsverhältnis für den Kunden bzw. Nutzer (eher für kleine Unternehmen)

Sicherlich ist auch eine unendliche Menge an Optionen zwischen diesen Extremen denkbar. Diese erfordern allerdings eine sehr überlegte Definition der eigenen Positionierung und insbesondere Antworten auf die Fragen nach dem "Warum gibt es unser Angebot?" und "Worin liegt unsere Besonderheit?". Damit einhergehend, muss die Leitung eines solchen Hauses gut erklären können, wieso der gewählte Weg für die Kunden bzw. Nutzer UND das Unternehmen der passende Weg ist.

Allen erfahrenen Medienexperten ist klar, dass es nicht zuerst auf das Trägermedium ankommt, so sehr man persönlich auch ein bestimmtes Medium bevorzugen mag oder unbedingt eine moderne Variante wählen will. Die größte Bedeutung fällt dem Inhalt zu, den man zugänglich machen möchte und der Entscheidung wie man diesen, mit Rücksicht auf das jeweilige Nutzungsszenario, der anvisierten Nutzerschaft gut vermitteln kann. Ähnlich wie beim Design sollte üblicherweise die Form (das Medium) der Funktion (dem Inhalt) folgen. Hauptsächlich künstlerisch motivierte Arbeiten seien hier einmal explizit außen vor gelassen.

Vom gesprochenen Wort bis zur virtuellen Realität

Unter Umständen ist z.B. ein Podcast, also das gesprochene Wort, die sinnvollere und erfolgreichere Version eines Textes, nicht das gedruckte Wort. Unter anderen Unständen kann aber auch die multimediale Entwicklung eines Virtual Reality Erlebnisses der richtige Weg sein, um ein komplexes oder sensibles Thema konzentriert, räumlich und nachhaltig erfassbar zu machen.

Je nachdem wie ein Medienhaus in Zukunft aufgestellt ist, wird die Auswahl und Nutzung des passenden Mediums oder die Entscheidung, sich eines Inhalts bzw. Themas anzunehmen, unterschiedlich leicht fallen. Umso klarer die oben erwähnte Positionierung ist, desto einfacher werden diese Entscheidungen für alle Mitarbeiter*innen und die Führungsebene sein und desto zufriedener werden voraussichtlich die Nutzer bzw. Kunden der angebotenen Produkte und Leistungen sein.

Sonntag, Januar 14, 2018

Die SmartWatch als Trainer-Ersatz

... oder warum ein digitales Gerät unangenehme Wahrheiten ungestraft äußern darf. Ein 365-Tage-Dauertest.


Eine neue digitale Beziehung

Tägliche Anmerkungen wie „Normalerweise hast Du dich zu dieser Zeit schon viel mehr bewegt“, „Es ist Zeit mal wieder aufzustehen“ oder „Atme mal wieder tief durch – ich helfe Dir auch dabei“ sind üblicherweise nicht besonders gut dafür geeignet, um eine Beziehung positiv weiterzuentwickeln.

Kaum ein Freund oder Familienmitglied dürfte die Kommentare und Anmerkungen völlig ungestraft äußern, die ich meiner SmartWatch zugestehe – selbst wenn sie mit ihren Einschätzungen in Bezug auf meinen Bewegungshaushalt ähnlich Recht haben würden.

Sogar kluge, positive Motivation wie "Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen. Lass nicht locker, Christoph! ..." kann zur falschen Zeit ausgesprochen zu etwas ganz anderem werden als ursprünglich beabsichtigt. Jeder, der schon einmal von seiner Partnerin bzw. seinem Partner "auf dem falschen Fuß erwischt wurde", weiß vermutlich was ich meine.

Das kann aber bedeuten, dass diese Art der Kommunikation nun tatsächlich an ein digitales Gerät ausgelagert wird, das auf Grundlage von gewonnen Daten die Hinweise gibt. Das Gerät wird damit nicht nur zum Medium, es ist quasi gleichzeitig Kommunikator und Trägermedium. Darauf muss man sich einlassen wollen. Allerdings glaube ich, dass wir uns seit Einführung von Siri, Alexa und Co. schon mitten in dieser Phase des Einlassens auf diese digitalen Assistentensysteme befinden.


Die Bedeutung von kleinen Erinnerungshilfen

Vielleicht hilft ein Bewegungsmesser wie die Apple Watch nicht dabei Beziehungen zu retten, aber vielleicht nimmt sie einem Partner die wahren, aber unangenehmen Bemerkung bezüglich der Bewegungsarmut des SmartWatch-Trägers ab. Warum also diese heikle Aufgabe nicht an ein digitales Medium abgeben? Und das kann dann wiederum zu mehr Entspannung in einer Beziehung führen – vielleicht ...


Doch keine Spielerei?

Aber ich erkläre jetzt lieber meine persönliche Motivation, trotz meiner kritischen und teils lästerlichen Bemerkungen über die Sinnhaftigkeit einer SmartWatch bzw. Apple Watch (siehe z.B. Blogeintrag vom 10.04.2013), nun doch nach einigen Jahren der Marktbeobachtung eine dieser Errungenschaften der digitalen Welt anzuschaffen – und ausgiebig zu testen.

Im Dezember 2016 bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es wieder Zeit für eine bewusste Veränderung meiner Bewegungs- und Ernährungsgewohnheiten wäre.

Dazu sollte ich noch kurz erwähnen, dass mir die Adventszeit im Dezember mittlerweile auch dazu dient, eine persönliche Retrospektive des zuendegehenden Jahres zu erstellen. Diese Jahresanalyse fiel 2016 nicht gerade positiv in Bezug auf meine sportlichen Betätigungen aus: zuwenig gewandert, zuwenig gepaddelt, zuwenig Rad gefahren, grundsätzlich viel zu viel bequeme, motorisierte Fortbewegung genutzt. Dies gepaart mit einer etwas rückläufig bewussten Ernährung ist grundsätzlich keine gute Idee, wenn man die nächsten Jahre oder sogar Jahrzehnte fit bleiben will. Und obwohl ich eigentlich durchaus ein Freund von persönlichen, menschlichen Begleitern (neudeutsch Coaches) bei Veränderungsvorhaben bin, wollte ich diesmal ausprobieren, ob ein digitaler Begleiter auch positive Veränderungen ermöglichen kann. Zudem wollte ich intensiver testen, zu was man "dieses Ding" sonst noch nutzen kann. Schließlich ist eine moderne SmartWatch weder eine Uhr im klassischen Sinne, noch ein einfaches Aktivitäts-Tracking-Gerät und sollte auch nicht als solches angesehen werden. Die zusätzlichen Funktionen waren allerdings zunächst Beiwerk für mich, es ging mir hauptsächlich um alle Funktionen, die dazu geeignet sind meine Bewegungsarmut zu überwinden.

Die entgültige Entscheidung für einen 365-Tage-Selbstversuch mit einer SmartWatch habe ich dann am 31.12. gefällt und noch vor Jahreswende eine einfache Apple Watch 2 erworben. Ab 01.01.2017 sollte der Test dieses Sport-Gadgets dann beginnen.

Die Apple Watch 2 bringt im Vergleich zur Vorgängerversion einige für mich bedeutsame Optimierungen mit, die sie für den Einsatz beim Sport bzw. bei Outdoor-Aktivitäten nutzbar macht: 1) Sie ist mit eingebautem GPS auch unabhängig von einem Smartphone für die Aktivitäten-Messung nutzbar und 2) die Uhr ist ausreichend wasserdicht fürs Paddeln, Schwimmen, Surfen oder Schnorcheln. Zusätzlich wurde 3) die Bedienung des Gerätes grundlegend verbessert und 4) der Gamification-Ansatz für die Bewegungs-Motivierung sollte nun auch nutzbar sein.


Start mit einer Szenarien-Test-Woche

Das Ziel: Ringe schließen
Sofern sich der Träger auf die Apple Watch als Bewegungs-Coach einlässt, gilt es täglich drei Aufgaben zu meistern. Diese werden in ihrem Fortschritt durch drei farbige Ringe symbolisiert. Der vermeintlich wichtigste Ring ist rot und steht für die durch Bewegung verbrauchten Kalorien (dieser Wert ist manuell anpassbar – empfohlener Startwert bei mir waren 350 kcal). Der zweite Ring ist grün und zeigt an, wieviele der empfohlenen 30 min. Training pro Tag der Träger absolviert hat (dieser Wert ist fix). Ring Nummer drei zeigt die Anzahl der Stunden, in denen man sich mindestens für eine Minute aufrecht bewegt hat – dieser Ring ist blau. Der unveränderbare Zielwert für die Stehstunden liegt bei 12 Stunden.

Alle drei Aktivitätsringe gilt es täglich zu schließen. Das klingt zunächst ziemlich einfach, ist es aber für einen modernen Stadtmenschen mit einem Job am Schreibtisch nicht unbedingt. Das habe ich nämlich mit einem Selbstversuch in der ersten Woche herausfinden können. Die Uhr habe ich dabei nur während der Schlafphasen abgenommen und sonst permanent getragen. Ziel der Testwoche war es, herauszufinden, wie gut sich die Ringe bei verschiedenen Bewegungs-Szenarien eines Tagesablaufs schließen lassen. Das ging von einem eher bequemen Wochenendtag auf dem Sofa mit einer 30-Min-Bewegungseinheit am Schlagzeug bis zu einem bewegten Arbeitstag mit bewegungsreichem Weg zur Arbeit und einer zusätzlichen Trainigseinheit.









Bewegungs-Szenarien

  1. Bequemer Feiertag, lange ausschlafen, mit kleiner Trainingseinheit (01.01.)
  2. Bewegter Arbeitstag mit Aktivität auf dem Weg zur Arbeit und Trainingseinheit (02.01.)
  3. Bequemer Arbeitstag ohne Aktivität auf dem Weg zur Arbeit und ohne Trainingseinheit (03.01.)
  4. Bewegter Arbeitstag mit Aktivität auf dem Weg zur Arbeit und ohne Trainingseinheit (04.01.)
  5. Bewegter Arbeitstag ohne Aktivität auf dem Weg zur Arbeit und mit Trainingseinheit (05.01.)
  6. Bewegter Arbeitstag mit Aktivität auf dem Weg zur Arbeit und mit Trainingseinheit (06.01.)
  7. Bequemer Wochenendtag mit kleiner Trainingseinheit (07.01.)
  8. Bequemer Wochenendtag, lange ausgeschlafen, mit längerem Spaziergang (08.01.)

Ziel: Aktivitätsringe schließen!

Die Erkenntnisse der Testwoche haben mich anschließend tatsächlich das ganze Testjahr begleitet, da ich die Extreme nun kannte und sogar mein Zufriedenheitsniveau eines bequemen Tages im Vergleich zu einem bewegten Tag im Kopf hatte: Die bequemen Tage waren die, mit der wahrgenommen höchsten Unzufriedenheit und der stärksten Kompensation durch (überwiegend) ungesunde Ernährung. Sowas spornt dabei an, wieder deutlich mehr Bewegung ins Leben zu lassen. So war es zumindest bei mir.

Umsetzung der Erkenntisse

Nachdem ich mich damit angefreundet hatte, der SmartWatch eine gewisse Kontrolle über meinen inneren Schweinehund zu erlauben, konnte ich die kleinen Erinnerungen in Bezug auf das mal wieder angesagte Aufstehen vom Sitzplatz (der Hinweis kommt spätestens 10 Minuten bevor eine volle Stunde um ist und man sich nicht mind. 1 Minute aufrecht bewegt hat) oder eine Ermahnung, dass ich erst wenig von meinen Trainingsminuten absolviert habe (der Hinweis kommt spätestens am Nachmittag, wenn der grüne Ring noch wenig Füllung aufweist) als hilfreiche Assistenz beim Erreichen der Bewusstseinsveränderung akzeptieren. Hier fungiert die SmartWatch tatsächlich als eine Art künstlicher Gesprächspartner bzw. Erinnerer. Das ein oder andere Mal habe ich mich dabei erwischt, dass ich den kleinen Klugscheißer "freundlich" daran erinnert habe, dass ich dies schon selbst wüsste. Es ist daraus nie eine längere Diskussion entstanden – das ist sicherlich auch gut so.

So habe ich meinen Weg zur Arbeit wieder häufiger ohne Auto zurückgelegt, bin häufiger spazieren gegangen und habe ein paar Freizeit-Sportarten in mein Ausgleichprogramm zurückgeholt.

Die üblichen Verdächtigen, die häufig zu einem Neujahrsvorsatz in Bezug auf "mehr Sport" dazugehören, habe ich absichtlich nicht ins Bewegungsprogramm aufgenommen: Für die Erhöhung meiner täglichen Bewegungszeiten habe ich mich NICHT auf regelmäßiges Joggen eingelassen. Auch waren Besuche in einem Fitness-Studio KEIN Teil des Veränderungsprogramms. Allerdings spiele ich seit einem Jahr wieder täglich E-Drums – ein Effekt den ich ursprünglich nicht erwartet hätte – da meine SmartWatch das Schlagzeugspiel als durchaus ernstzunehmende sportliche Aktivität erkannt hat. Dass ich durch die tägliche Routine an diesem Instrument auch ein paar technische Fortschritte gemacht habe, war dabei ein netter, positiver Nebeneffekt meines Tests.

Einen wirklich erkennbaren Effekt des nun regelmäßigen Bewegens konnte ich allerdings erst sehen, nachdem auch die sinnvolle Umstellung der Ernährung (deutlich mehr Obst und Gemüse, statt künstliche Süßwaren oder Salzgebäck) mit der erhöhten täglichen Bewegung bei der Fettverbrennung geholfen hat – bzw. mehr verbrannt wurde, als hinzu kam.

Bei der positiven Entwicklung meines zurückgewonnen Bewegungsreichtum hat allerdings in der zweiten Jahreshälfte auch ein kleiner, ungeplanter Wettbewerb zwischen einigen meiner Familienmitglieder geholfen, von denen einige auch per SmartWatch mehr auf ihre Bewegung geachtet haben. Alleine die Verknüpfung meiner Tracking-Ergebnisse mit denen einer weiteren Person hat gereicht, damit wir uns gegenseitig bei der Bewegungsintensivierung positiv unterstützen konnten. Gemeinsam trainieren funktioniert so offensichtlich auch über hunderte von Kilometern.

Im Verlauf des Testjahres konnte ich mich dauerhaft von einigen überflüssigen Kilos um die Hüften herum verabschieden und selbst die Advents- und Feiertagszeit zum Ende des Jahres hat an dieser positiven Entwicklung nichts geändert.

Den Verlauf des Jahres im Detail zu beschreiben wäre nicht hilfreich und vermutlich eher langweilig. Wichtig ist aber zu erwähnen, dass ich im Laufe der ersten Monate überwiegend frühere Bewegungsroutinen wiederbelebt habe und mir Gedanken darüber gemacht habe, warum ich meiner Bequemlichkeit soviel Raum zugelassen habe.

Mit Ausnahme eines einzigen nicht vollendeten Stehstunden-Rings, konnte ich, innerhalb der auf die erste Test-Woche folgenden 365-Tage (09.01.2017 – 08.01.2018), täglich alle Bewegungs-, Trainings- und Steh-Ringe schließen. Erstaunlicher Weise, hat mich der nicht geschlossene blaue Aktivitätsring mehrere Tage geärgert, weil er meine bis dahin "perfekte" Bilanz in Bezug auf geschlossene Aktivitätsringe zerstört hat. Mit dieser kleinen "Macke" in der Bilanz musste ich erstmal zurechtkommen – was mir gezeigt hat, dass auch der Disziplin-Wettbewerb mit mir selbst durchaus eine nicht zu unterschätzende Rolle bei diesem Test spielte.

Ein Effekt, der mir am ehesten negativ aufgefallen ist, war eine gewisse Abhängigkeit der „Selbstkontrolle“ von dem digitalen Mess- und Coaching-Assistenten, der alle gesammelten Informationen auch mit meinem Smartphone geteilt hat. Und wenn ich mir über die zukünftigen Optionen des Missbrauchs dieser Infos Gedanken mache, komme ich schnell zum Thema Datenschutz in Bezug auf personengebundene Daten. Selbst gegen Beitragsvergünstigungen würde ich meine detaillierten Daten jetzt und in Zukunft nicht unbedingt mit Krankenversicherungen oder anderen Institutionen teilen wollen. Also auch nicht gerade ein Thema, bei dem ich diese Technologie nur positiv betrachte. Aber diese Erkenntnis und ein entsprechend kritisches Bewusstsein in Bezug auf die ermittelten Daten ist ja auch etwas wert – positiv gesehen ;-)



Fazit

Der beste Effekt dieses 365-Tage-Versuchs ist meine insgesamt höhere Zufriedenheit, trotz anstrengender Arbeitsbelastung. Dazu kommt der Willen, die Bewegungseinheiten auch weiterhin als festen Bestandteil meines Tagesablaufs beizubehalten. Ob ich dafür in Zukunft weiterhin immer die SmartWatch zur Kontrolle benötigen werde, wird sich noch zeigen.

In Bezug auf die Kosten für dieses 365-Tage-Coaching kann ich auch festhalten, dass mich vermutlich kein menschlicher Fitness-Trainer oder sonstiger Veränderungsbegleiter für einmalige 450 Euro (Anschaffungspreis der SmartWatch) durch das Jahr 2017 begleitet hätte und zur passenden Zeit einen Impuls für die Optimierung meiner Bewegungsziele gegeben hätte. Das entspräche einem 24/7-Service für ca. 1,25 Euro pro Tag – und dieser Wert relativiert sich durch die Expansion der Nutzung weiterhin. Darauf muss sich ein menschlicher Coach erstmal einlassen wollen.

Diesbezüglich vermute ich leider wieder durch diese Art der Digitalisierung eine Tendenz der Disruption in einem Berufszweig, dessen Vertreter bisher nicht ahnen, dass ein digitales Medium wie eine SmartWatch die zukünftigen Verdienstoptionen massiv reduzieren könnte. Aber das bleibt auch in diesem Segment abzuwarten – vielleicht gehören Menschen wie ich ja überhaupt nicht zur Zielgruppe der Personal Trainer und eine SmartWatch ist somit keinerlei Konkurrenz – vielleicht ...


Einfache Zusammenfassung

Erkenntnisse nach einem Jahr täglicher Nutzung einer SmartWatch in der Funktion als persönlicher, digitaler Bewegung-Coach.


Pros:

  • Veränderung der Bewegungsgewohnheiten
  • Bewussterer Tagesablauf
  • Einbau von täglichen, kleinen Trainingseinheiten (15 - 30min.)
  • Schlagzeugspiel als besondere Bewegungseinheit entdeckt
  • "Geist + Körper"-Training hilft beim mentalen Ausgleich
  • Reaktivierung von längeren Spaziergängen oder Wanderungen
  • Tanzen wiederentdeckt
  • Treppensteigen wiederentdeckt
  • Bewusstere Trinkgewohnheiten etabliert
  • Neudefinition der Ernährungsgewohnheiten
  • Bewussterer Umgang mit Atemübungen etabliert
  • Deutlich mehr persönliche Ausgeglichenheit – im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren
  • Gewichtsabnahme durch die Kombination aller Maßnahmen ab Mitte des Jahres
  • Nutzung der Trainingsfunktion ab Mitte des Jahres führt zur deutlichen Erhöhung der Motivation
  • Gamification Ansatz funktioniert nicht nur für mich, sondern zieht Kreise in der Familie (sogar bei Personen ohne Apple Watch)
  • Positiver "Bewegungswettbewerb" im familiären Kreis

Cons:

  • Messungen können nur als Orientierungshilfe genutzt werden und sind nicht zu 100% genau.
  • Abhängigkeitserscheinungen von dem Messwerkzeug ("Sucht" nach positiver Bestätigung durch den digitalen Assistenten)
  • Überlegungen, wie man die Messung „positiv“ beeinflussen kann
  • Überlegungen für weitere körperliche Optimierung durch Quantifizierung (zum Glück nicht weiter verfolgt)
  • Überlegungen über die jetzigen und zukünftigen Missbrauchsmöglichkeiten meiner gesammelten Daten durch Krankenkassen, Versicherer etc. führen nicht unbedingt zu Begeisterung (Thema Datenschutz!)

Ein kleiner Blick in die Zukunft

Wenn ich mir eine erweiterte Version meiner aktuellen SmartWatch vorstelle, die mit zusätzlichen Biosensoren ausgestattet wäre und zusätzlich einen Chip mit künstlicher Intelligenz bereitstellen würde, sind noch abwechslungsreichere und individuellere Motivations-Szenarien denkbar.

Was wäre, wenn meine "Uhr" dann auch meine Stimmungslage nach einem Training oder einem Entspannungsmoment erfassen kann und im Laufe der Zeit daraus lernen kann, mir situationsabhängig passende Empfehlungen zu geben, die sich positiv auf meinen Bewegungshaushalt und meine Ausgeglichenheit auswirkt. Im vergangenen Jahr hätte mir die Uhr vermutlich zu mehr Zeit im Wasser und auf dem Surfboard geraten, weil ich nach der sportlichen Aktivität im bzw. auf dem Wasser anschließend immer so „breit grinsend“ entspannt war.

Noch einen Schritt weiter gedacht, koppele ich die SmartWatch dann zusätzlich mit einem weiteren wearable Device vor meinen Augen, das mir Augmented oder Virtual Reality ermöglicht. Dadurch wären meiner Bewegungsmotivation kaum noch Grenzen gesetzt. Durch die Erweiterung meiner Erlebnisräume könnte ich mich in Umgebungen bewegen, die mir zusätzliche Anreize in Form von völlig neuartigen, virtuellen Sportarten bieten.

Das klingt noch etwas nach HAL9000 und Science Fiction, kann aber für Menschen mit einem herausfordernden Alltag durchaus hilfreich sein, um fit zu bleiben. Und so ein Device kann entsprechend ausgestattet sogar vor Überlastungen oder krankheitsbedingten, drohenden Ausfällen warnen.

Vielleicht könnte ein menschlicher Beobachter und Begleiter etwas ähnliches ermöglichen. Aber welche Person begleitet mich 24/7 mit dem Fokus, meine Gesundheit zu erhalten, tatsächlich durch den Tag – oder würde dies für 1,25 Euro pro Tag tun?



Freitag, Januar 13, 2017

Beschleunigung durch Digitalisierung?

Für viele Menschen ist die Geschwindigkeit der Transformation durch die "Digitalisierung" vieler Lebensbereiche schwer einschätzbar.

In den vergangenen Monaten konnte ich viele Gespräche zu den Themen "neue Medientechnologien" und "Anforderungen der Digitalen Transformation" führen. Sowohl bei privaten Diskussionen, bei Entwicklungsgesprächen mit Geschäftspartnern oder bei Sessions auf Barcamps oder ähnlichen Veranstaltungen, die ich besucht habe, waren diese Themen quasi omnipräsent.

Es gibt sehr viele verschiedene Positionen zu diesen überwiegend "digitalen" Themen, jedoch ist in allen Gesprächen immer wieder die Frage nach der Dauer bis zu einem relevanten Umbruch der Nutzergewohnheiten oder der Erreichung eine relevanten Nutzerzahl aufgetaucht.

Ich vertrete die These, dass digitale Medien bzw. digitale Technologien, eine Beschleunigung der Transformation bei Nutzungsgewohnheiten ermöglichen und somit auch eine schnellere Adaption von Innovationen (insbesondere wenn diese auf etablierten "Träger"-Technologien basieren). Dadurch können sich neuartige Technologien schneller etablieren, als noch vor einigen Jahrzehnten. Wenn die These stimmt, könnten sich auch Technologien wie die 2016 viel diskutierten Virtual Reality Brillen oder die künstlichen Intelligenzen wie Alexa von Amazon oder IBM Watson viel schneller in unseren Haushalten, Unternehmen oder Gesellschaften durchsetzen, als viele Menschen glauben wollen.

Das Statistik-Portal Statista hat eine plakative Infografik erstellt, die dieses Thema illustrieren hilft. Demnach hat sich die Zahl der Jahre bis zur Erreichung einer Nutzerschaft von 100 Millionen Nutzern seit Etablierung digitaler Technologien in den 80er/90er Jahren deutlich verringert. Während die Etablierung des Telefons (bis zur 100 Millionen Nutzer Marke) noch 75 Jahre benötigt hat, konnte das World Wide Web schon nach sieben Jahren diese Schwelle überschreiten. Digitale Services wie Whatsapp oder Instagram hatten die 100 Millionen Nutzer Grenze schon nach etwas mehr als zwei Jahren überschritten.

Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass die neuen Technologien oder Medien jeweils auf Basis der zuvor etablierten Technologien oder Medien existieren. Kein Instagram ohne World Wide Web, kein World Wide Web ohne Telefoninfrastruktur.

Eine Beschleunigung durch zunehmende Digitalisierung kann über diese Infografik sichtbar werden.

Infografik: Digital ist schneller | Statista


Freitag, April 29, 2016

NGO Blended Learning – Kleine Bildungsrevolution?!

In dem Artikel "Sie ändern alles#", der aktuell in der ZEIT (NR. 19 / 2016) erschienen ist, wird ein interessantes neues Start-Up Projekt im Bereich Bildung beschrieben.

Bei der NGO-Unternehmung Kiron geht es, einfach beschrieben, um einen vereinfachten Zugang zu höherer Bildung durch die Umgehung von klassischen, bürokratischen Barrieren. Das aktuelle Angebot richtet sich speziell an Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind und mit Hilfe von Kiron die Möglichkeit einer höheren Weiterbildung erhalten sollen. Das angewendete Konzept des "Blended Learning" (einer Kombination aus Online- und Offline-Studium) wird hier für die Vorbereitung eines regulären Studienabschluss angewendet. Dieser Ansatz wäre grundsätzlich auch für alle Bildungsinteressierten weltweit anwendbar.

Da das Lernen über Kiron durch eine Bildungskooperation mit verschiedenen Universitäten ermöglicht wird und die Inhalte von überall auf der Welt per Smartphone und Internet-Verbindung nutzbar sind, kann dieses Projekt für die weltweite Verbreitung neuer Denkansätze in Bezug auf neue Werkzeuge in Bildungssystemen sorgen.

Wenn es möglich wird, dass selbst aus einem Flüchtlingslager in einem fremden Land heraus (also mit ganz geringen Mitteln) ein Schritt zur höheren Bildung ermöglicht wird, dann sollte dies in Zukunft nahezu überall möglich sein. Dies würde dann möglich, wenn wir die mit dieser Art von Demokratisierung verbundenen Veränderungen als Chancen verstehen und nicht als Gefahr.

Die weitere Entwicklung dieser Unternehmung wird für alle Menschen, die sich mit neuen Bildungsoptionen und Veränderungen in unseren modernen Gesellschaftssystemen beschäftigen, spannend sein.

Mehr Infos zu diesem Bildungsprojekt:

Sonntag, Februar 07, 2016

Skills Camp Session – Thesen zur Vision 2030

Einige unserer Thesen zur "Vision 2030" wurden am vergangenen Samstag (06.02.) in einer Session beim Skills Camp der Hamburger Kreativ Gesellschaft im Betahaus Hamburg diskutiert.

Das Thema der Session war: IBM Watson 2030 – Welche Auswirkungen könnten "Kognitive Computersysteme" auf Jobs in der Kreativbranche haben? Sparringpartner oder Jobkiller? Könnte sich die Technologie von IBM Watson auch zum "Virtuellen Privatassistenten" entwickeln, der im Medienwolken Szenario zur Kommunikation 2030 Erwähnung findet? 

Thesenfolie/Grafik zum Thema "IBM Watson 2030" – Kreative Marketing Experten und Kognitive Computersysteme – Entwicklungspotential und Konsequenzen
Thesenfolie/Grafik zum Thema "IBM Watson 2030"

Wir konnten in den verfügbaren 45 min. nur Ansätze besprechen und einen Einstieg ins Thema schaffen. Interessant und wertvoll war der Austausch dennoch. Die Sessionteilnehmer aus verschiedenen Bereichen der Kreativbranche waren sich einig, dass solche Themen und Thesen vielfach und mit mehr Zeit ausgestattet diskutiert werden sollten. Ein Teilnehmer der Session forderte entsprechende Debatten über die "Vision 2030" insbesondere in Berufsverbänden. 

Diese Forderung unterstütze ich zu 100%. Betroffen sind bei den anstehenden Veränderungen nicht nur Marketing Experten (wie in unserem Beispiel präsentiert), sondern nahezu jede Fachkraft, die sich bisher insbesondere auf die persönliche Erfahrung berufen und auf das (irgendwann einmal) gelernte Fachwissen gestützt hat. Kognitive computerbasierte "Unterstützungssysteme" könnten in Zukunft den bisherigen persönlichen, menschlichen Vorteil bei kreativen Herausforderungen relativieren ... insbesondere in Bezug auf die heutzutage allseits beliebte Effizienz, aber auch in Bezug auf die Qualität und weitere wichtige Kriterien.

Samstag, November 21, 2015

Barcamp Hamburg: Kleine Retrospektive

Bildhafte Zusammenfassung meiner Barcamp Hamburg Session vom 14.11.2015
Das Barcamp Hamburg 2015 ist nun schon vor genau einer Woche viel zu schnell zu Ende gegangen. An den zwei Tagen Barcamp konnte ich viele neue Impulse mitnehmen, über die unterschiedlichsten Themen einen überwiegend konstruktiven Meinungsaustausch pflegen und hoffentlich selbst ein paar hilfreiche Impulse erzeugen.

Themenvielfalt
Von Diskussionen über die Inhalte, die der aktuellen Virtual Reality Technologie zum Durchbruch verhelfen könnten, über einen Vortrag über Ansätze des Fachbereichs "Positive Psychologie" oder Praxistipps für schöneres Schreiben auf Flipcharts, bis zum Meinungsaustausch über eine mögliche gesellschaftliche und technologische Realität im Jahr 2040 waren die unterschiedlichsten Themen auf dem diesjährigen Barcamp Hamburg vertreten. Es gab viel mehr interessante Sessions, als ich persönlich besuchen konnte. Ich hatte den Eindruck, dass nahezu jeder Teilnehmer an genau dieser offenen Vielfalt interessiert war und dadurch extrem viele wertvolle Gespräche und Gedanken entstehen konnten.

Perspektivwechsel als Thema
Bei meiner Session zum Thema "Perspektivwechsel" habe ich als ein Beispiel für den gezielten Aufbau von Stellvertretern, die einen Perspektivwechsel der betrachtenden Personen ermöglichen, das Medienwolken Kategoriensystem vorgestellt. Damit wollte ich demonstrieren, wie man mit einem System, das als Ausgangspunkt immer eine individuelle Person nutzt (die persönlich oder im Team erarbeitet wird), einige neue Sichtweisen auf abstrakte Themen oder Zusammenhänge ermöglichen kann. In meinem Fall waren die individuelle Mediennutzung und die Veränderungen in den Medienrealitäten über Jahrzehnte hinweg die Themen.

Zugegebener Weise war die Präsentation und Diskussion in diesem Fall eine Herausforderung für mich – bei einem Zeitlimit von knapp 30 min. Projektvorstellung und nur 15 min. Diskussionszeit. Leider war durch diese Limitierung keine Zeit für die Teilnehmer der Session auch ihre eigenen aktuellen oder zurückliegenden Medienwolken mit mir gemeinsam zu erstellen – was sicherlich den Nutzen des Systems noch besser veranschaulicht hätte.

Aber der Versuch war trotzdem ein Erfahrungsgewinn. Bisher hatte ich für ähnlich Veranstaltungen immer ca. 2 Stunden zur Verfügung. Diese Zeit scheint die Bearbeitung des Themas mit mehreren Personen auch zu benötigen. Dies ist ja auch eine nutzbare Erkenntnis.

Erfahrungsgewinn
Die zwei Tage auf dem Barcamp Hamburg wären für mich aber auch ohne eigene Session ein Gewinn gewesen. Auf einem so großen Barcamp (ca. 400 Teilnehmer) war ich zuvor noch nicht und die Themenvielfalt (mehr als 100 Sessions) war enorm. Es war absolut lohnenswert, sich den darin liegenden Herausforderungen zu stellen.

Dienstag, September 15, 2015

Leitmedium Internet – wann kommt der Umbruch?

Die aktuellen Ergebnisse der Langzeitstudie von ZDF/ARD zum Thema Massenkommunikation lassen interessante Blicke auf die Veränderungen der Mediennutzung der Deutschen zu. In den letzten Jahren verändern sich die Nutzungszeiten nach und nach Zugunsten digitaler Medien. Wie man der zur Studie passenden Grafik von Statista entnehmen kann, ist insbesondere die Gruppe der 14-29 Jährigen bei der Verwendung neuerer Medien mit deutlich höherer Nutzungsdauer positioniert, als der Durchschnitt der Gesamtheit der 4300 Befragten ab 14 Jahren.

Infografik: Fernsehen schlägt Internet - doch wie lange noch? | Statista

Besonders auffällig ist die unterschiedliche Nutzung beim Vergleich der Nutzungsdauer von Fernsehen und Internet. Hier weicht die Mediennutzungsdauer der jüngeren Nutzer vom Gesamtdurchschnitt deutlich ab und es ist hervorzuheben, dass sich in dieser Gruppe schon jetzt eine Verschiebung des Leitmediums vom Fernsehen zum Internet vollzogen hat (sofern man Internet als ein Medium begreift).

Interessant ist aber ebenfalls die Nutzung von Büchern, Magazinen und Zeitungen. Während die Tageszeitungen und Zeitschriften in der jungen Nutzergruppe eine deutlich geringere Bedeutung zu haben scheinen, sind Bücher (hier wird nicht zwischen analog oder digital differenziert) leicht bedeutsamer als beim Gesamtdurchschnitt aller Nutzer.

Die Grafik von Statista zeigt deutlich, dass im Bereich der Massenmedien durch die nachkommenden Generationen eine Verschiebung der Nutzungsdauer verschiedener Medien stattfindet. Entgegen der Beteuerungen von Vertretern der klassischen Medien, wird es, durch die nachwachsenden Generationen ausgelöst, einen deutlichen Wechsel im Leitmedium geben: TV wird nicht mehr auf Platz eins stehen. Diese Veränderung wird sich auch im sonstigen Mediennutzungsverhalten niederschlagen und sicherlich auch auf andere Bereiche der Kommunikation auswirken.

Ob der finale Wechsel im Leitmedium für die deutsche Gesamtbevölkerung noch fünf, zehn oder fünfzehn Jahre dauern wird ist letztendlich egal. Der Wandel hat sich bei den jüngeren Nutzergruppen schon vollzogen und wird sich weiter ausbreiten.


Mittwoch, Juni 03, 2015

Mediennutzungszeit – Internet basierte Medien vs. klassische Medien

Der Informationsservice von Statista scheint mich gerade mit (zum Kommunikation 2020 Blog) passenden Infografiken füttern zu wollen. Der heutige Infografik-Newsletter hatte die Veränderungen in der Nutzungszeit von klassischen vs. Internet basierte Medien als Inhalt.

Sichtbar ist, dass den klassischen Medien (TV, Zeitungen/Zeitschriften, Radio, Kino) von 2010 bis 2014 insgesamt weniger Nutzungsdauer zukommt, während die für "das Internet" aufgebrachte Zeit steigt.

Dabei sollte allerdings berücksichtigt werden, dass in den 65 Ländern, die als Grundlage für die Erhebung herangezogen wurden, die Nutzungsdauer für die Gruppe der klassische Medien noch deutlich über der gemessenen bzw. angegebenen Nutzungszeit für Internet basierte Medien liegt. Dies könnte aber auch daran liegen, dass in der Gruppe der klassischen Medien auch Radio und TV vertreten sind, die u.a. als "Nebenbei"-Medien betrachtet werden können. Inwieweit die entsprechenden Gegenstücke bei den Internet basierten Medien mitgerechnet wurden wird nicht klar.

Dennoch eine beachtenswerte Infografik, die Tendenzen sichtbar macht, aber auch einige Fragen nach den tatsächlich gemessenen Daten aufwirft. 

Infografik: Internet wächst auf Kosten traditioneller Medien  | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista