Freitag, Januar 31, 2020

Kein Digitales Rhizom


2020 Realitätscheck Nr. 1

Welche Thesen aus dem Jahr 2010 für das Jahr 2020 sind tatsächlich verifizierbar, welche eher nicht?

Eines ist ziemlich sicher, kaum jemand nutzt den Begriff „Digitales Rhizom“, um damit die Infrastruktur zu bezeichnen, auf deren Grundlage die wichtigsten digitalen Services heutzutage basieren. An dieser Stelle kann ich zumindest den Begriff als falsifiziert annehmen.

Aber,

... eine leichte Veränderungen in den Bezeichnungen hat es in den vergangenen Jahren dennoch gegeben. Es gibt zumindest zwei Begriffe, die im Zusammenhang mit der technischen Infrastruktur an Bedeutung zugenommen haben: Die Begriffe der „Cloud“ und das „Internet-der-Dinge“ bzw. „Internet-of-Things“ (IoT). Beide haben die Nutzung des um 2010 noch recht populären Begriffs des „Web 2.0“ (als Begriff für das durch Social Media & Social Networks angereicherte Web) verdrängt. 2020 wird kaum noch vom Web 2.0 gesprochen. Neben den oben genannten neuen Metaphern sind stattdessen die ursprünglichen Bezeichnungen „Internet“ oder „Web“ wieder deutlich geläufiger.

Sobald jedoch die Bezeichnungen „Cloud“ oder „Internet-of-Things“ im Gebrauch sind, werden damit häufig Services in Verbindung gebracht, die in der heutigen Ausprägung im Jahr 2010 noch nicht etabliert waren. In den letzten zehn Jahren haben insbesondere die Streaming- und die SaaS-Dienste den Cloud-Lösungen weltweit zum Durchbruch verholfen bzw. vice versa. Ähnliches gilt für das Internet-of-Things und den Siegeszügen diverser smarter Geräte. Egal ob smarte Thermostate, Lautsprecher, Lampen, Waagen, Sicherheitssysteme, Logistiklösungen, Medizintechnik, Bekleidungsstücke oder Uhren, unzählige vernetzbare Geräte bilden im Jahr 2020 das IoT. Es ist sehr wahrscheinlich, dass mit der weltweiten Einführung des 5G Standards für das mobile Internet diese Verbreitung von vernetzten Geräten noch deutlich zunimmt.

Vielleicht hat sich die Begrifflichkeit für die technische Infrastruktur doch in den letzten zehn Jahren ein wenig gewandelt – sie ist durch die gewachsene Komplexität der Möglichkeiten durch weitere Ausprägungen (Cloud, IoT) differenzierter geworden und gleichzeitig zur alltagstauglichen Verallgemeinerung wieder zum Ursprung (Internet) zurückgekehrt. Die Begriffe Internet oder Web können wir mittlerweile als allseits bekannt voraussetzen, von einer rhizomartigen Struktur reden dagegen nur sehr wenige Menschen.

Arbeitsauftrag für die Aktualisierung von Lukas 2020:

„Digitales Rhizom“ austauschen gegen „Internet of Things“, „Cloud“ oder einfach wieder „Internet“!

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