Donnerstag, April 30, 2020

Videotelefonie und Live-Videostreaming


Check der 2020 Medienrealität Nr. 2: Ist Videotelefonie eine etablierte Kommunikationsform?

Wem muss ich im April 2020 noch erklären, was ein Video-Chat oder eine Video-Konferenz ist? Welche digitalen Werkzeuge man benutzen kann, um eine Bild- oder Videotelefonie auf dem Smartphone, Tablet oder Laptop einzuleiten, brauche ich auch so gut wie keinem Menschen, der ein Smartphone besitzt, erklären – zumindest nicht den jüngeren Nutzer*innen.

Im April des Jahres 2010 hätte das noch ganz anders ausgesehen. Vor zehn Jahren nahmen sogar einige Medienexperten an, dass sich diese Technologie nicht relevant bis ins Jahr 2020 verbreiten würde. Neu war das „Skypen“, wie es zum Teil genannt wurde, auch im Jahr 2010 nicht mehr. Der Diensteanbieter Skype bot kostenlose Bild- und Videotelefonie schon einige Jahre zuvor über das Internet an. Aber erst mit der Ankündigung und Einführung von Facetime auf Apple-Geräten im Jahr 2010 begann eine zunehmende Gewöhnung an die Bild-/Videotelefonate. Es galt für viele iPhone-Besitzer als besonders modern und fortschrittlich, mit den Freunden oder Kollegen per Video-Chat ins Gespräch zu kommen – eine stabile Internetverbindung per WLAN vorausgesetzt. So konnte man auch in den Genuss kommen, während des Gesprächs das nette Café-Personal im Hintergrund zu beobachten oder die weniger interessante Dekoration eines Büros zu betrachten. Neue Einblicke in die aktuelle Gesprächssituation des Gegenübers waren nun möglich. Was zuvor überwiegend der Fantasie überlassen war, wurde nun mit farbigen Pixeln zu einer wahrnehmbaren, teils aufschlussreichen Umgebung. Nun war es auch möglich, Hintergrundgeräusche eines Gesprächs besser zuordnen zu können, da man in der Lage war, den Ursprung visuell zuzuordnen.

Langsame Etablierung der Services seit 2010

Immer mehr Unternehmen nutzten ähnliche Services für Video-Konferenzen, Webinare, Beratung mit Videounterstützung, Ferndiagnosen u.v.m. – die zunehmend schnelleren Internetverbindungen, auch per Mobilfunk, machten das möglich. In der zweiten Hälfte der 2010er Jahre kamen immer mehr Hochschulen auf die Idee, Vorlesungen und ausgewählte Seminare per Videostreaming auch für Menschen an entfernten Orten verfügbar zu machen. Mittlerweile werden sogar die verschiedensten Veranstaltungen (Sport, Kultur, Bildung, Konferenzen etc.) per Videostream weltweit verfügbar gemacht – zum Teil sogar als 360°-Grad Angebote, die mit Virtual Reality Brillen noch immersiver erlebt werden können. Plattformen wie AltspaceVR können virtuelle Treffen sogar etwas bewegter und erlebnisreicher machen als pure Video-Chats. Die Treffen in VR funktionieren sogar als Gruppenveranstaltung, wie die vielen Meetups und Präsentationen, die aktuell bei AltspaceVR stattfinden, beweisen.

2020 – das Jahr der Videotelefonie

Den großen Sprung haben diese Technologien aber erst durch das weltweite Ausweichen in die Home-Offices gemacht. Seit ein paar Wochen unterhalten sich Menschen weltweit über Dienste wie Zoom, Jitsi Meet, Discord, Google Hangouts, Facebook Messenger, Facetime oder MS Teams so, wie zuvor per Telefon. Und dies machen wir zum Teil über mehrere Stunden am Tag. Wir holen uns die Gesprächspartnerin oder den Kollegen virtuell ins Home-Office, damit wir wenigstens den Eindruck von etwas mehr Nähe bei all der vorgeschriebenen Distanz haben. Es mutet mancherorts sogar seltsam fremd an, wenn noch ein klassisches Telefonat geführt wird. Weil für das gemeinsame Arbeiten im Remote-Modus häufig auch der visuelle Aspekt eine Rolle spielt, oder sogar gemeinsam am Bildschirm an Dokumenten gearbeitet wird, ist dies kein Wunder. Selbst für jüngere Schulkinder ist das Zoomen oder FaceTimen zu einem Kommunikationsweg geworden, um sich mit den Freunden zu treffen und gelegentlich sogar auf diese Art klassische Gesellschaftsspiele per Video-Chat zu spielen. So kann über weite Distanzen zumindest gefühlt gemeinsam gespielt und gelacht werden.

Möglichkeiten und Herausforderungen

Was vor zehn Jahren noch wie aus einer Science Fiction Serie entlehnt wirkte, ist durch weltweite Relevanz für Millionen von Heimarbeiter*innen, Schüler*innen und Lehrer*innen innerhalb von nur wenigen Wochen zum alltäglichen Standard-Medium geworden. Mancherorts kämpft man noch mit den Verhaltensregeln in Video-Konferenzen. Aber auch diesbezüglich hilft die Notwendigkeit der Nutzung dabei, schnell passende Kommunikationskonzepte und passende Sanktionsmittel zu finden, damit die neu entdeckten Kommunikationskanäle nicht zu Orten der Frustration werden. Jedes Medium bedarf eines eigenen Regelwerks. Und den Umgang damit muss man lernen, zum Teil ganz einfach durch Ausprobieren und Optimieren. Dadurch kann erweiterte Medienkompetenz entstehen.

Die Videotelefonie oder auch das Live-Videostreaming bringen zwar einigen neue Herausforderungen für die Nutzer*innen mit sich, aber auch eine breite Palette an neuen Möglichkeiten. Selbst in den derzeit nur schwer zugänglichen Krankenhäusern oder Seniorenheimen kann die Technologie (sofern sie einfach gehalten ist) für ein kleines Stück gefühlte Nähe sorgen, die anderenfalls nicht möglich gemacht werden kann. Im Zusammenhang mit den aktuellen Herausforderungen in Schulen, Museen oder anderen Institutionen zur Bildung oder Kulturvermittlung, kann mit den neu gefundenen Optionen aber auch einiges auf die Beine gestellt werden, das ansonsten nicht möglich wäre: z.B. virtuelle Ausstellungsbesuche per Live-Videostreaming, wie es vor kurzem bei der Langen Nacht der Museen in Hamburg eingesetzt wurde, um die Veranstaltung zumindest digital erlebbar zu machen – wenn es schon nicht Vorort möglich war.

Es ist gut, wenn dadurch auch grundsätzlich der Medienkanon in Schulen, Institutionen und Unternehmen mit weiteren Möglichkeiten und Erfahrungen erweitert wird. Das ist gut so, denn ab 2020 werden vermutlich deutlich mehr Schüler und Studenten mit den digitalen Werkzeugen Videotelefonie, Video-Konferenz, Screen-Sharing und File-Sharing aufwachsen als je zuvor. Aus einigen Arbeitsabläufen werden diese Optionen in Zukunft nur schwer wieder zu entfernen sein. Vielleicht findet sogar ein Paradigmenwechsel in Bezug auf die Notwendigkeit von körperlicher Anwesenheitspflicht bei Lehr-, Trainings- oder Geschäftsveranstaltungen statt. Neue Alternativen zu den bisherigen Optionen sollten nun genügend Menschen einfallen. Diskussion darüber wird es auf jeden Fall zunehmend geben. Und auch das ist gut so im Jahr 2020.

2020 These verifiziert: Digitales Videostreaming ist vielfältig im Einsatz


Arbeitsauftrag für die Aktualisierung der Illustration von Lukas 2020:

„Videotelefonie“, „Videostreaming“ und „Videocast“ sind verifiziert. Ergänzungen im Bereich Persönliche Kommunikation: „Coworking via File-Sharing“ + „Social-VR-Chat“ + „VR Meetup“ hinzufügen. Vielleicht noch weitere Optionen bei den Recherche/Informationsmedien hinzufügen: Virtuelles Barcamp, Video-Workshop o.ä.


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